22.12.10

Weihnachten erleben

Heute ist es wichtig, vom Wissen zum Erleben, zur Erfahrung zu kommen.

Bei allen Festen ist das echte Erleben verdeckt durch Erinnerungen, Traditionen einerseits und anderseits durch die schwer-gewichtigen Worte Rudolf Steiners.

Immer denkt man, dass man das, was aus den gedruckten Worten Steiners heraustönt, auch schon in sich trüge. Das wird dann von meiner Seele auf die Festeszeiten aufgeprägt.

Hinzukommen dann auch noch die sentimentalen Gefühle. Durch schmückende Elemente, durch Musik, Düfte oder Speisen wird die Seele in bestimmte Regionen erhoben, wo sie starke Gefühle erlebt. Diese Gefühle aber sind nicht selbst hervorgebracht, sondern von außen impulsiert. Durch äußere Sinneseindrücke, wird ein gesteigertes Gefühlselement erweckt.  Man könnte sagen, dass hier Ahriman mit Luzifer zusammenarbeitet: Das äußere Mittel (ahrimanische Geste), z.B. die Dekoration oder der musikalische Klang ruft in mir ein starkes Echo hervor, das mein Selbsterleben steigert, das mir in mir Wohlgefühle erweckt (luzifersiche Geste).

Es kann sogar noch raffinierter sein: Es kann auch schon die erweckte Erinnerung an frühere Festeserlebnisse solche Selbst-Wohl-Gefühle erwecken.

All dies muss man - wenn man denn in neue innere Regionen vorstoßen will - versuchen auszuschließen, durch treue und selbsthinterfragende Seelenbeobachtung:
Was erlebe ich hier und heute durch meine eigene, aktuelle Seelenbetätigung und dann durch die Beobachtung der Folgen dieser Betätigung?
Eine aktive Seelenbetätigung kann auch die bewusste Beobachtung und das Erspüren der Natur sein. Es kann auch das besonders aktive und bewusste Lesen eines passenden Textes sein und danach das Beobachten, wie die gelesenen Worte z.B. über Nacht in mir weiter gewirkt haben.

21.12.10

„Ich suche und finde den Christus im Menschen“

Den folgenden Post fand ich auf der Seite:
"DIE PHILOSOPHIE DER FREIHEIT RUDOLF STEINERS"
von Junko Althaus


„Ich suche und finde den Christus im Menschen“

Wieso sucht der Mensch ihn noch heute
in seinem irdischen Leichnam?
Er lebt nicht bei den Toten.

Ich finde ihn im Menschen,
das Ich–Bin in jedem Menschen.

Jemand sagte zu mir,
ich sei unverrückbar konzentriert
wenn ich an Menschenschicksal forsche.
Wieso eigentlich ?

Mit Seele und Geist,
gebe ich mich ganz dem Erkennen hin,
um wahrzunehmen
die einzigartigen Qualitäten im Menschen
und charakterisiere sie im Wort.

Denn sie sind für mich
lebendige Offenbarung einzigartiger Göttlichkeit
des individualisierten Ich-Bins

Und in diesem individualisierten Ich-Bin
glänzt und strahlt das kosmische Ich-Bin,
der Christus-Logos mir entgegen.

Tief berührt und angetan
von individueller Strahlkraft des Ich-Bins
weil in mir auch das gleiche Ich-Bin lebt,
dessen Glanz zum Ausdruck kommt
nur in einer anderen Art und Weise

Ich suche den Christus,
nicht in den zerstörten Häusern
und auch nicht in den verstaubten Büchern
sondern in allen Menschen,
die sein Leben und Schicksal durchleben

Denn Ich weis,
dass ich ihm im Menschen begegne
und finde ihn,
den Logos, den Christus


20.12.10

Sind die Anthroposophen im Himmel alleine?

"Die neuen Toten werden an der Himmelspforte von Petrus empfangen. Der gibt erst einmal eine Führung durch die Himmelsräume. In dem ersten Saal befinden sich lauter Leute die ununterbrochen Gebete murmeln. "Das sind die Katholiken" sagt Petrus. Aus einen weiteren Saal hört man ununterbrochen Gesang. "Das sind die Protestanten" Am nächsten Saal müssen sie lautlos vorbei schleichen. Auf die Frage "warum" antwortet Petrus "Das waren die Anthroposophen, die denken sie wären alleine hier.""

18.12.10

Gespräch II

Günter Röschert gibt in der gestern erwähnten Schrift Hinweise, welche Kriterien für ein wirkliches Gespräch gelten müssten (S.62f): 

Das Gespräch ist das Urgeschehen der Gemeinschaft der Individualitäten.
Das bedeutet für das gelingende Forschungsgespräch:
‑ jeder Gesprächsbeitrag ist durch und durch individuell, da er aus dem frei gewollten reinen Denken stammt; er dient dem Transpersonal‑Gemeinsamen des Gesprächs: Das rein Individuelle ist das Gemeinsame.
‑ Es ist durch wahrnehmbare auditive Vorgänge getragen, seiner Wesenheit nach aber rein gedanklicher Natur. Es ist zugleich ein tatsächlicher Vorgang, eine Handlung, die auf der Einheit von Denken und Wollen beruht.
‑ Es verlangt eine intensive, gewissenhafte, individuelle Vorbereitung, die aber am besten wirkt, wenn sie nicht am vorbereiteten Menschen, sondern an den anderen Teilnehmern zum Ausdruck kommt.
‑ Es ist ein lebendiger Organismus von Geben und Nehmen. Wer spricht, nimmt die Aufmerksamkeit der Hörer in Anspruch, aber er gibt auch; wer hört, gibt sein eigenes Ausdrucksinteresse hin zugunsten des Hörens, er verzichtet so lange auf Sprechen.
- Es unterliegt keinerlei Normen, Verboten, Indices usw., es ist völlig frei. Es unterliegt seinem eigenen Logos, dem sich die Teilnehmer frei hingeben.

Bedingungen und Erfahrungen
Man könnte glauben, ein Gespräch unter Mitgliedern über einen geisteswissenschaftlichen Text Schritt für Schritt zu führen, könne doch nicht schwer sein. jeder Sprecher knüpft eben an seinen Vorredner an, dann kommt das Gespräch ganz von selbst zustande. Diese Annahme erweist sich rasch als naiver Irrtum. Es ist tatsächlich bestürzend schwer, ein der Hochschulidee gemäßes Gespräch zu führen. Gleichwohl ist Gesprächsfähigkeit eine anthropologische Veranlagung. Der werdende Mensch wächst im Gespräch, an seinen Unzulänglichkeiten vertieft sich seine Selbsterkenntnis."
In einem Forschungsgespräch der Hochschule werden Gedanken ausgetauscht, nicht nur Worte. Die wechselseitig vermittelten Gedankeninhalte werden aktuell hervorgebracht, also aktuell auch verantwortet, wodurch sich das Denkbewusstsein des Gesprächskreises bildet. Das Gespräch ist gegenseitige Hilfeleistung auf der Grundlage gegenseitiger Anerkennung. Nicht auf schnelle Übereinstimmung bei bekannten und eingeschliffenen Überzeugungskomplexen kommt es an im Schatten von Worten und Aussagestücken, sondern auf die ergebnisoffene Fragehaltung.
Das Gespräch ist dem Bildevorgang geschuldet, nicht den Inhalten. Es ist eine in jedem Augenblick entstehende Wesenheit, nicht die Kumulation der einzelnen Redebeiträge. 



17.12.10

Das Gespräch I

Vor kurzem erschien von Günter Röschert ein kleines Büchlein "Das freie Hochschulgespräch als umgekehrter Kultus - Das Existenzproblem der Freien Hochschule". Darin fasst er einige bereits früher veröffentlichte Artikel zum Thema Gespräch oder Hochschulgespräch zusammen.

Zunächst sei hier das Ende seiner Ausführungen (S.78f) zitiert:
Ausblick 
Gesprächen über Inhalte der Geisteswissenschaft im weiteren Sinne kann entgegengehalten werden, dass entscheidende spirituelle Erfahrungen, schon auf dem Gebiete des intuitiven Denkens, nur vom einzelnen Menschen erlangt werden können. Das ist sicher richtig, doch bedarf auch jede ernsthafte eigene Erfahrung der Bestätigung und Rechtfertigung durch eine wie immer geartete Gemeinschaft. Das Verhältnis persönlicher Einsichten oder auch nur Vermutungen zu den Vorgängen im Gespräch mit anderen Menschen ist ein Verhältnis wechselseitiger Hilfe und Befruchtung, wie es das dialogische Prinzip in einer Hochschule oder Akademie erfordert. Im Werke Rudolf Steiners ist eine kaum auszuschöpfende Fülle möglicher Forschungsinhalte veranlagt. Man könnte nun meinen, es müsse ganz leicht sein, mit erfahrenen Anthroposophen ins Gespräch zu kommen, ohne dass irgendeine signifikante Persönlichkeit ins Dozieren oder gar ins Verkünden kommt. Irrtum! Schon nach wenigen Versuchen zeigt sich, dass es ungeheuer schwer, für manche Menschen unerreichbar schwer ist, ein verantwortliches Gespräch mit anderen Menschen, vorrangig um des Gesprächs selbst willen, zu führen. Gerade der vielfach vorhandene, in Jahren oder Jahrzehnten angesammelte Wissensstoff kann zum schweren Hindernis für den überpersönlichen Gesprächsverlauf werden. Die Überzeugung, man bilde in einem anthroposophischen Gesprächskreis das Gefäß für die Herabkunft geistiger Wesenheiten, ist gewiss nicht falsch, zunächst aber handelt es sich um reine Anmaßung.
 Es darf nicht übersehen werden, dass ein anthroposophisches Hochschulgespräch einer sicheren moralischen Basis bedarf. Im Übrigen ist ganz offen, welche Geister sich einer Gesprächsgruppe nahen. Bei näherem Bedenken zeigt sich, dass die Gesprächsbeteiligung einer seelisch‑geistigen Fähigkeit bedarf, die Rudolf Steiner als «moralische Phantasie» bezeichnet hat und die das geheime Zentrum seiner Freiheitsphilosophie ist. Die moralische Phantasie ist das Wahrnehmungsorgan für die inneren Erfordernisse jeder Situation, also auch jeder Gesprächssituation. 
Alle geisteswissenschaftlichen Forschungsbereiche ‑ und das bedeutet auch alle Mitteilungen Rudolf Steiners ‑ bedürfen fortlaufender Prüfung und Bewegung in Gesprächen, die der geistigen Welt zur Akzeptanz oder Abweisung angeboten werden. Ob dies geschieht und in welcher Konsequenz, ist das Existenzproblem der Freien Hochschule. 

13.12.10

Klassenstunden 4

"Damals [im Jahr 1925, als einem prominenten Mitglied der ersten Klasse auf einer Rußlandreise die Mantren abgenommen worden waren] sprach Herr Steffen ein Wort aus, das mir seither immer nachgegangen ist. Er sagte: Ich würde sie [die Texte der Klassenstunden] allgemein bekannt geben.- Ich war damals sehr erschrocken, es fuhr mir etwas ins Herz, aber zugleich kam mir der Gedanke, vielleicht ist es der beste Schutz." 

Marie Steiner: Brief vom 4. Januar 1948

11.12.10

Wie weiter mit der Anthroposophie?

In den "infoseiten Anthroposophie" Herbst 2010 schrieb Frau Sam einen Artikel: 
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Martina Maria Sam

Ursprüngliche Impulse aus dem Geistigen schöpfen

In Bezug auf die gegebene Fragestellung haben mich immer die Worte Rudolf Steiners zur Eröffnung der Weihnachtstagung 1923/1924 besonders angesprochen, in denen er den Mitgliedern ans Herz legt, zur Anthroposophie zu stehen, sie nicht voreilig in Parallele mit anscheinend ähnlichen Entwicklungen zu bringen und sich des „Ursprünglichen“, des „Primären“ ihrer zentralen Impulse bewusst zu sein. Ganz scharf betont er z. B. in Bezug auf die Eurythmie: sie dürfte „in keiner Weise verglichen werden (…) mit irgend etwas anderem, was scheinbar ähnlich heute in der Welt auftritt“.

Warum warnt Rudolf Steiner vor der „Kontextualisierung“, wo er doch selbst interessiert am Zeitgeschehen teilnahm? Warum betont er so akzentuiert das Eigen- und Einzigartige der anthroposophischen Impulse?

Offensichtlich weil es eben ursprüngliche, primäre Impulse sind, die sich nicht aus einer historischen Entwicklung ‹horizontal› ableiten lassen, sondern direkt (‹vertikal›) aus dem Geistigen als ‹Neugeburt› geschöpft sind („etwas durchaus aus den allerursprünglichsten Quellen der Menschheits-Entwickelung heraus schöpfendes Neues“).

....
Martina Maria Sam ist Leiterin der Sektion für Schöne Wissenschaften am Goetheanum."

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Ganzer Artikel: http://www.info3.de

Warum sind Anthroposophen eigentlich nicht revolutionär?

Auf "menschenweltenzeit" fand ich einen Artikel, auf den ich hier hinweisen möchte:


hier ein Ausschnitt:
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"Aber warum kämpfen, hacken und leaken die Anthroposophen eigentlich nicht mit? Warum machen sie keine Politik? Warum demonstrieren sie nicht? Warum halten sie sich aus Stellungnahmen zum Zeitgeschehen heraus? Sind sie völlig weltfremd? Jenseits von gut und böse? Durch Anthroposophie erkennt man doch eigentlich sehr gut um die ganzen Missstäde der Welt. Anhand der Dreigliederung wird doch handgreiflich, wie korrumpiert und krankder soziale Organismus heute ist.

Wenn man die Anthroposophie erarbeitet, lernt man Wirklichkeit der Geistwelt hinter den Phänomenen kennen, man sieht die Konturen genauer, erkennt lichtbringende, heilsame Situationen, und genau so deutlich auch die Realität, dass es Menschen gibt, die in einen so extremen Egoismus fallen, dass sie aus dem Leid anderer Menschen ihre Kraft beziehen, die sich ganz dem Bösen verschreiben, die sogar bereit sind, den Planeten unbewohnbar zu machen, die halbe Menschheit zu vernichten wollen aus Machtgier. Man weiß um das verderbliche Wirken der größten Teils dekadent gewordenen Geheimlogenbrüder, weil Rudolf Steiner selbst zunächst anknüpfte an freimaurerisches Geheimwissen, bevor er alle Esoterik herauslöste aus dem Verborgenen und veröffentlichte und erweiterte, so dass sie von allen Menschen zum Gute angewandt werden kann.

Und was kann man nun im Sinne der Anthroposophie tun?"
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9.12.10

Trauer

In Fortsetzung des gestern Gesagten gilt gleichfalls, dass nach dem Tode eines Menschen die Mitmenschen ihre Trauer mäßigen sollen.

Heftige Trauer Gefühle sind eine Realität. Sie hängen sich wie finstere Bleiklötze an die Seele des Verstorbenen. Sie belasten ihn und verhindern so das Aufsteigen der Seele in lichtere, leichtere, höhere Regionen.

Man prüfe selbstkritisch das Wesen der eigenen Trauergefühle. Ihnen haftet oft viel Egoistisches an.

Da für den Anthroposophen deutlich ist, dass nur der Leib stirbt, aber nicht die Seele, so müssen sich auch seine Gefühle anders gestalten als bei einem Menschen, der nichts von Reinkarnation weiß.

Antroposophie darf nie nur als schöne Theorie betrachtet werden, sondern sie muss zur Lebenspraxis werden. Dann wird es bald viele Probleme, die heute die Gesellschaft belasten, nicht mehr geben.

8.12.10

Zuversicht

Die gestern geschilderte Art von Zuversicht soll besonders auch im Umgang mit dem Tod gelten; besonders dem Tod anderer Menschen.

Bis zum Todesmoment eines Mitmenschen durchdringe man sich mit Gefühlen des "Lebens", mit der Hoffnung, dass er noch sehr lange weiterleben möge.

So strahlt man gute Kräfte dem Kranken entgegen, die ihm helfen. Akzeptiert man eine Sekunde, dass der Tod Macht über einen Menschen ausüben wird, hat man sich schon mit dem Tod verbündet.

Ungut sind Redewendungen wie: "Der Tod wird ihn sicher bald von seinen Schmerzen erlösen..."

Auch wenn der Tod eine Weltentatsache ist, so darf man ihn nie befürworten. Wie man gleichfalls nie ein Verbrechen befürworten kann.

Rudolf Steiner wies besonders für den Arzt darauf hin, dass er bis zu allerletzt um das Leben des Sterbenden ringen muss. Er muss förmlich gegen den Tod ankämpfen und immer noch etwas Heilendes versuchen.

Jede gewonnene Minute, jeder gewonnene Tag ist ein Sieg über den Herren des Todes, über Ahriman.

7.12.10

Zukunftsfreude oder Zukunftsleid

Man prüfe einmal in seiner Seele, welche Gefühle in einem weben in Bezug auf die fernere Zukunft des Lebens und der Menschheit.
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(Möglichst nicht gleich weiter lesen, sondern erst nachspüren.)
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Sind es Gefühle der Freude oder der Angst? Überwiegt Sorge und Bangigkeit oder Zuversicht?

Welcher Art die herrschenden Gefühle der meisten Menschen sind, kann man täglich in Gesprächen und in den Medien erleben.
Aber wie ist es bei uns?
Sind wir so erfüllt von Geisteswissenschaft, dass wir vom Sieg der guten Mächte überzeugt sind? Erleben wir wohl Sorge und Not, aber fühlen wir auch, dass die Zukunft eine lichthafte sein wird?

Dieses Gefühl muss der Anthroposoph ganz, ganz stark in sich erwecken. Mit Freude und Leidenschaft. Er wird alle Ängste und Verzweiflungen der Menschheit fühlen, er wird das nie vernachlässigen. Aber er sieht eine herrliche Morgenröte der Zukunft am Horizont, die immer gewaltiger und größer wird.

Nur durch diese Gefühle wird in der Seele die rechte Kraft erwachen, die er für seine Arbeit braucht. Lichthaft strahlt dann diese Kraft in die Welt hinaus.

Dieser Meditationsspruch könnte dazu passen:
(aus  GA 245) 
Sieghafter Geist 
Durchflamme die Ohnmacht
Zaghafter Seelen. 
Verbrenne die Ichsucht,
Entzünde das Mitleid, 
Dass Selbstlosigkeit, 
Der Lebensstrom der Menschheit, 
Walte als Quelle 
Der geistigen Wiedergeburt. 

6.12.10

Prophetie

In seinem Artikel (siehe Post vom 1.12.2010) wies Herr Schad darauf hin, dass Anthroposophie "die Zukunft ist".

So kann man bei ernsthafter anthroposophischer Arbeit auch sagen, dass sie immer etwas Prophetisches mit sich bringt. Aus der Geisteswissenschaft ergeben sich wahre Zukunftsbilder.

Leider werden diese Zukunftsbilder immer wieder leicht missverstanden. Viele Menschen neigen dazu, nur die negativen Seiten solcher Bilder zu betrachten. Man kann aber immer auch die lichten Seiten der Zukunft sehen und in sich wirken lassen.

Zukunftsbilder gehen sogar soweit und sind so praktisch, dass folgendes möglich ist: Rudolf Steiner erwähnte einmal, dass ein Kollegium, das spirituell zusammenarbeitet, sogar die Baukosten eines Neubaus ziemlich genau vorhersagen können wird.

Normalerweise mischen sich Ahrimanisches und Luziferisches mit gewaltiger Macht in zukünftige Planungen ein. Dadurch kommt es zu großen Abweichungen von der Realität. Spirituelles Arbeiten bedeutet immer auch ein weitgehendes Neutralisieren der Widersachermächte in den Menschenseelen. So werden Wahrheiten möglich.

4.12.10

"Nomen est omen"

Wenn ein neues Projekt gestartet wird, dann entsteht immer die Frage der Namensgebung. Schon im Namen drückt sich vieles vom Wesen einer Sache aus.

Es gibt Namen für eine Sache, die sollen die Sache verschönern, sollen dem Leser des Namens etwas vermitteln, was gar nicht unmittelbar mit der Sache zu tun hat. Es werden durch einen solchen Namen manchmal auch seine Wünsche, Träume, Begierden usw. angesprochen. Ein Beispiel wäre der Name „Rocket“ (Rakete) für eine Lokomotive. Oder „Lichtblick“ oder „Grüner Strom“ für einen Stromlieferanten. Hier geht es um die Erweckung von Assoziationen oder gar Illusionen beim Kunden, da Strom z.B. nie grün sein kann. Wenn eine Bekleidungsmarke den Namen einer Automarke trägt, z.B. „bugatti“, versucht man, sich deren Geist zunutze zu machen.

Die andere Art von Bezeichnungen drückt sich in Begriffen wie VW oder DAX aus. Es werden meist die Anfangsbuchstaben von längeren Begriffen genommen und zu einem neuen Kunst-Begriff zusammengesetzt.

In der ersten Art, einen Namen zu wählen, wirkt Luzifer mit. In der zweiten Ahriman. Deshalb ist die zweite Art auch bei Firmen so bliebt, weil damit irdische Macht verstärkt wird.

Der andere Weg ist, dass man versucht das Wesen einer Sache unmittelbar im Wesen des Namens zum Ausdruck zu bringen. Dabei macht man sich auf die Suche nach einem wirklichen wesenhaften Namen oder Begriff und versucht, diesen in Ernsthaftigkeit mit einer Sache zu verbinden. Rudolf Steiner gab uns Beispiele z.B. bei der Wahl des Namens „Goetheanum“ oder „Weleda“ für die Heilmittelproduktion.(Veleda ist der Name einer germanischen Seherin, wahrscheinlich auch Heilerin, die im 1. Jahrhundert n. Chr. bei den Brukterern wirkte- nach Wikipedia).

Der Name kann dann durch das Wesen, das mit ihm verbunden ist, Kraft- und Inspirationsquell für die jeweilige Sache werden.

Man könnte diesen Weg als den christlich-michaelischen bezeichnen.

2.12.10

Charakteristik von Jahrtausend-Wenden

7.3.1914 - Stuttgart - Die Jahrtausendwenden. Die Entwicklung der Baukunst. Normannische Holzbauten. Der Dornacher Bau
Aus einem Vortrage von Dr. Rudolf Steiner
Stuttgart, 7.März l9l4

"Als das Jahr l000 herannahte, lebte die europäische Menschheit in großer Furcht vor dem erwarteten Ende der Welt, Man erwartete dieses in physischem Sinne als ein Sich-Auflösen der Erde in Rauch und Nebel. Es waren die ahrimanischen Geister, die den Menschen diese Idee beibrachten, dass sich etwas Furchtbares auf dem physischen Plan abspielen würde, während sich in Wirklichkeit mancherlei in der geistigen Welt abspielte.(Anm.d.Hrsg: Diese Bemerkung scheint mir wichtig. Man blickt immer nur auf den physischen Plan und achtet nicht auf die geistigen Umschwünge - auch bei der letzten Jahrtausend-Wende)


Bei jedem Jahrtausend haben die ahrimanischen und luziferischen Geister eine besondere Macht, Die Menschheit braucht auf das Zehnersystem, das heute das vorherrschende ist, nicht besonders stolz zu sein. Jedes Zahlensystem wird von bestimmten Geistern in die Welt gebracht und ein jedes hat die Neigung, gewisse Tatsachen und Zusammenhänge von Tatsachen klarer zu zeigen und andere zu verdunkeln, zurücktreten zu lassen. In dem Zehnersystem wirken nun sehr stark ahrimanische Impulse, Es lässt hervortreten die Tatsache, dass bei jedem Jahrtausend (also im Jahre 1000, 2000 u.s.w.) ein besonders starker Angriff Luzifers und Ahrimans vereint stattfindet. In den anderen Jahrhunderten halten sie sich mehr das Gleichgewicht. In dem Jahrhundert aber, wo man schrieb .9. , also auch in unserem Jahrhundert 19.. wenn es gegen das neue Jahrtausend geht, vereinigen sie sich und wirken zusammen auf die Menschen ein. Diese Tatsache lebt noch im Volksglauben, dass während tausend Jahren Luzifer und Ahriman an der Kette liegen und dass sie dann für kurze Zeit losgelassen werden. In den vorchristlichen Jahrtausenden ( l000, 2000, 3000 v.Chr.) war es so, dass dann zu gleicher Zeit ein besonders starker Einfluss der guten, fortschreitenden Mächte stattfand, der diese vereinigte luziferisch-ahrimanische Wirkung im Zaune hielt und ein besonders Gutes daraus entstehen ließ.


So sehen wir, wie im Jahre 3000 v, Chr. die Pyramiden gebaut wurden, im Jahre 2000 war es das Zeitalter Abrahams und alles was daraus entstand war zugleich ein Höhepunkt der babylonischen Kultur. Im Jahre l000 v, Chr. war das Zeitalter Davids; der Bau des salomonischen Tempels wurde vorbereitet, Im Jahre 0 erschien der Christus - und wir haben oft auseinandergesetzt, wie auch den Evangelien, und besonders dem 5.Evangelium der Christus den Kampf mit Luzifer und Ahriman aufnehmen musste. In den nachchristlichen Zeiten aber konnten die guten, fortschreitenden Geister nicht mehr so eingreifen; die Menschheit wurde überlassen den Angriffen Luzifers und Ahrimans. Diese erreichten jedenfalls dieses, dass sie das Denken der Menschen verwirrten, dass sie einen Irrtum Zugang

finden ließen, den Irrtum von dem herannahenden physischen Ende der Welt. Sie haben immer ein Interesse daran, die Dinge viel zu räumlich-zeitlich vorzustellen. In dieser Zelt kam zum ersten Mal ein "Beweis“ für das Dasein Gottes auf, den der Bischof von Canterbury brachte, sowie die Auffassung seines Gegners Roscelin. In dieser Zeit war es auch, dass die Päpste das Prinzip der christlichen Demut mit Füßen tretend, sich erhoben in äußerer Macht, dass Kaiser Heinrich sich in Canossa vor dem Papst erniedrigte, als die ganze äußere Kirche zu Gebräuchen kam, die ein Hohngelächter der ahrimanische Geister erweckten. Diese ahrimanischen Geister sind es, die jetzt wiederum ihren
Einfluss geltend machen, da wir uns nun dem Jahre 2000 nähern. Aber die Entwickelung geht im Pendelschlag. Im Jahre l000 erwartete man das Ende der Welt, im Jahre 2000 erwartet man genau das Gegenteil, im Jahre 3000 wird man wieder das Ende der Welt erwarten, aber die Welt wird dann so geworden sein, dass ganze Völkerschaften dieses Ende herbeisehnen werden. Man kann so ohne alle Sentimentalität sagen bzw. aussprechen: Die europäische Menschheit geht furchtbaren Zelten entgegen. 



Nehmen wir die Baukunst und die Einflüsse auf diese, Im Jahre 3000 v.Chr. wurden die Pyramiden gebaut, im Jahre 2000 kamen die Hüttenbauten (Abrahams Zeitalter) im Jahre 1000 v. Chr. wurde der Tempel von Salomon vorbereitet. Im Jahre 1000 nach. Christus konnte das Neue, das kommen sollte, sich nicht durchdringen infolge der entgegenwirkenden Kräfte Luzifers and Ahrimans. Wir sehen die Normannen, die aus Skandinavien sich über West- und Mitteleuropa verbreiteten, wie sie in ihren Holzbauten etwas auszudrücken versuchten, was nicht zur völligen Entwickelung hat kommen können. Gewisse Linien sind darin veranlagt, aber nicht weiter ausgearbeitet, weil der ahrimanische Einfluss es verhinderte. Statt dessen kam die Maurenkultur auf, die Architektur von Cordoba und Granada, der Hufeisenbogen und Spitzbogen, welche verdrängen die wahrhaft christlichen Rundbogen der romanischen (Kultur) Architektur. In der Maurenkultur kann man unmittelbar den antichristlichen Einschlag sehen, in dem Spitzenlauf der Bogen, die eigentlich rund hatten sein sollen; das ist Ahrimans Zeichen. So wirkte Ahriman als der Antichrist in der Baukunst, indem er ersetzte den runden romanischen Bogen durch den Hufeisen- oder Spitzbogen, so wirkte er durch die Mauren und auch durch die Türken.(Die Gothik ist also keine rein christliche Kunst mehr!) So ließ er die Kunst der Normannen nicht zur Entwickelung kommen, deren Holzbauten, welche sie in ganz Europa errichteten, nicht dasjenige gegeben haben, was sie hätten geben sollen. So kommt es, dass wir aus dem Jahre l000 nicht die Bauwerke haben, wie aus früheren Jahrtausenden.(Ob Rudolf Steiner damit die nordischen Stabkirchen meint? Oder ist die normannische Kunst ganz verschwunden?)

Jetzt soll aber von Neuem die Architektur für das neue Jahrtausend geschaffen werden. Jetzt müssen wir ausdrücken die runden Linien, die Ahriman in den normannischen Bauten unterdrückte. Wir müssen auslassen gewisse (?), die man in diesen findet, dann hat man unseren Dornacher Bau, die wahre Fortsetzung der Holzbauten der Normannen.

Furchtbare Zeiten stehen der Menschheit in Europa bevor. Wir wissen, dass, wenn das erste Drittel dieses Jahrhunderts vorbei ist, der Christus geschaut werden wird in seiner Aethergestalt und dass dieses einen gewaltigen Impuls abgeben wird neben all den untergehenden Neigungen dieses Jahrhunderts. In den älteren Zeiten, wie z.B. im Jahre l000 mussten die Menschen wohl glauben, was Luzifer und Ahriman ihnen weismachten, weil sie den wahren bewussten Christusimpuls noch nicht in sich hatten. Wir aber müssen nicht mehr, wir sollen freiwillig diesen neuen Christusimpuls aufnehmen, damit wir Luzifer und Ahriman Widerstand leisten können. Es wird so sein im 2o.Jahrhundert, dass Luzifer und Ahriman sich insbesonders bemächtigen werden des Namens, ein Christ zu sein. Menschen werden sich Christen nennen, die von dem wahren Christentum keine Spur mehr in sich haben werden, und sie werden wüten gegen diejenigen, die sich nicht nur halten an das, was der Christus einmal nach der Überlieferung der Evangelien gesagt hat, sondern für welche das Wort gilt "Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt", die sich richten werden nach dem lebendigen, fortwirkenden Christusimpuls. Gegen diese wird man wüten, Verwirrung und Verwüstung wird herrschen, wenn das Jahr 2ooo herannaht, und dann wird auch von unserem Dornacher Bau kein Holzstück mehr auf dem anderen liegen, alles wird zerstört, verwüstet werden." 
Aber wenn das Jahr 2086 kommt, wird man überall in Europa aufsteigen sehen Gebäude, die geistigen Zielen gewidmet sind und die Abbilder sein werden von unserem Dornacher Bau mit seinen zwei Kuppeln, in denen das geistige Leben blühen wird."

1.12.10

Anthroposophie i s t die Zukunft

Im Goetheanum Nr.48, 26.Nov.2010 schreibt Wolfgang Schad zum Thema:“Wie geht es weiter mit der Anthroposophie?“

Er stellt darin dar, dass Anthroposophie selbst schon die Zukunft ist. Es stelle sich deshalb gar nicht die Frage, ob Anthroposophie heute in ausreichendem Maße in der Welt wahrgenommen, akzeptiert oder anerkannt werde. „Was der Einzelne ins Rechte denkt, ist - weil Gedanken real sind – auf Dauer viel wirksamer, als die Sprachspiele „in“ zu sein.“

Hier kommt im Goetheanum ein Mensch zu Wort, der tiefgründig geistig zu arbeiten versteht und dadurch auch eigenständige Urteile bilden kann. Er kann sich von gängigen Meinungen lösen und sich ganz auf selbsterrungene Wahrheiten und Überzeugungen stützen.

Wenn man das Vorwort aufmerksam liest, dann kann man zwischen den Zeilen lesen, dass die Goetheanum-Redaktion sich nicht voll hinter Schads Ausführungen stellen will. Sie muss natürlich etwas gegen diesen Text haben, da ihre Politik in eine ganz andere Richtung geht. Man intendiert aktuell und modern sein zu wollen. Eine solche gründliche, lang gereifte, wirklich geisteswissenschaftliche Überzeugung muss ihr deshalb suspekt erscheinen.

Wolfgang Schad
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Es folgen einige Auszüge aus dem Text:

"Alle drei, jeden Tag" 
Wolfgang Schad

Vorwort der Redaktion (!): „Wie geht es weiter mit der Anthroposophie?" Diese Frage war zentral angesichts des bevorstehenden Jubiläumsjahres 2011 für die Herbstausgabe der „infoseiten anthroposophie“. Auch der Waldorfpädagoge und Naturwissenschaftler Wolfgang Schad wurde gebeten, sich zu der Frage zu äußern. Seine Antwort reichen wir nun im „Goetheanum“ für sich selbst stehend nach (Warum wird sie nachgereicht?), da sie grundsätzlicher Natur ist und, so hoffen wir, für weitere Gedanken und Gespräche Ausgangspunkt sein kann.(Das heißt genau genommen: Andere Artikel im Goetheanum können nicht Ausgangspunkt für weitere, eigene Gedanken sein. Damit trifft die Redaktion den Punkt: Sie sind nämlich wirklich nicht Ausgangspunkt für eigene Gedanken. Die Grundtendenz in den anderen Artikeln ist, die eigenen Gedanken und Vorurteile zu bestätigen, zu befestigen. Man schwimmt mit im "Mainstream"! Das ist wichtig! Das gibt vordergründige Befriedigung!)

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„... Die Gegenwartskultur aber kann nur gesund sein, wenn jetzt schon in ihr die künftigen Ideale und Fähigkeiten keimhaft vorhanden sind, um jetzt schon einfließen zu können, wo die Not am größten ist und danach gefragt wird. Dann stellt Steiner die nächstliegende Frage: Was ist in der heutigen fünften, nachatlantischen Kulturepoche die im Keim schon vorhandene sechste Kultur? Und gibt als Antwort: die Anthroposophie.

«Die Anthroposophie hat nicht irgendeine
Zukunft, sondern sie ist die Zukunft. »



Das heißt mit anderen Worten: Die Anthroposophie hat gar nicht die Aufgabe, jetzt schon zur allgemeinen Kultur zu werden, sondern jene, über Jahrhunderte hin die künftige Kultur vorzubereiten. Ja aber – wir haben doch auf den anthroposophischen Berufsfeldern viel öffentliche Anerkennung schon gewonnen ‑und nun das? Die Biografie Steiners selbst gibt die Antwort.

Sein hinterlassenes Werk stellt uns einen ungeheuren Umfang an Bildungsgut aus den vergangenen Kulturepochen und Weltentwicklungsepochen zur Verfügung, an dem jeder Leser gewaltig viel lernen kann. Dann gibt es den Steiner seiner Zeit, der sich zum Erschrecken der älteren Mitglieder nach dem Ersten Weltkrieg in die Tagespolitik einmischte und Volksredner ausbildete. Auf Nachfragen der Jüngeren half er sofort, die Berufsfelder der Ärzte, Pharmazeuten, Pädagogen, Heilpädagogen, Landwirte, Priester, Wirtschaftler und anderer zu erneuern. Aber das waren für ihn nur die Tochterbewegungen, die ihre Aufgaben eben ganz im Hier und jetzt haben. Seine Hauptlebensleistung aber liegt im Hereinholen der „Mutter“: Zugang zum Übersinnlichen für die Zukunft einer vor uns liegenden Kulturvision zu schaffen. Seine größte Sorge nach der Begründung der „Tochter“, war, dass die Mutter ausblutet. Wer widmete und widmet sich denn seitdem „der Förderung der Forschung auf geistigem Felde“? Darin besteht die Zukunft. Die Berufsesoterik allein reicht dafür nicht aus.
...Der Waldorflehrer hat zum Beispiel die Schätze der Vergangenheit als Kulturtechniken und Bildungsgut weiterzugeben; aber wehe, wenn es nur dabei bleibt. Jeder Tag in der Klasse mit den leibhaftigen Schülern ist das volle, unvorhersagbare Leben. Darin ist er hoffentlich ganz Zeitgenosse. Als Anthroposoph aber habe ich zugleich im Stillen an der Zukunft weiterer Jahrhunderte (nicht nur des 21.) vorbereitend mitzuarbeiten. Und das spüren sogar dankbar die Nachwachsenden als die unausgesprochenen ‚unsichtbaren Drähte’. ...

Substanzbildung von innen

Auch ich habe die Hälfte meines Lebens daran erst einmal gelitten, warum der anthroposophische Kulturraum nicht die gegenwärtige allgemeine Anerkennung findet. Es ist doch allein schon unsäglich, was jeder verpasst, der die Anthroposophie nicht im Kern kennenlernt. Bis ich bemerkte, dass dieses Leid und Mitleid sehr egoistisch ist ‑ Der eigene Astralleib möchte den Genuss der Anerkennung haben. Das echte Ich braucht sie nicht. So der innere Goethe «Die ungeheuerste Kultur, die der Mensch sich geben kann, ist die Überzeugung, dass die andern nicht danach fragen.»

Was der Einzelne ins Rechte denkt, ist ‑ weil Gedanken real sind ‑ auf Dauer viel wirksamer als die Sprachspiele, ‚in’ zu sein. Wenn Bodo von Plato derzeit beklagt: «Warum sind wir nicht öffentlich voll anerkannt, das Goetheanum ist doch so gut», so bringt das gar nichts. Auch wenn dem so wäre, brauchen wir keine Anerkennung von außen. Aller Drang, doch endlich in der ‚Mitte’ der Gesellschaft anzukommen (die ‚Mitte’ ist der Medien‑Blätterwald), führt dazu, die Anthroposophie nicht mehr als Zukunftsbewegung zu betreiben.

Die geheime Weltkultur Goethes, nach der das Goetheanum benannt worden ist, hat die Biedermeierzeit, das Zweite Kaiserreich, den Ersten Weltkrieg, die braune Flut und die kommunistische Unkultur überlebt und wird nach einer Äußerung von Herrmann Grimm, die Steiner unterstrich, erst in 1000 Jahren voll aufblühen. Die Anthroposophie wird es in doppelt so langer Zeit. Dafür haben wir uns als Anthroposophen einzusetzen. Daran wird auch das bevorstehende Jubiläumsjahr nichts ändern können.“