22.12.10

Weihnachten erleben

Heute ist es wichtig, vom Wissen zum Erleben, zur Erfahrung zu kommen.

Bei allen Festen ist das echte Erleben verdeckt durch Erinnerungen, Traditionen einerseits und anderseits durch die schwer-gewichtigen Worte Rudolf Steiners.

Immer denkt man, dass man das, was aus den gedruckten Worten Steiners heraustönt, auch schon in sich trüge. Das wird dann von meiner Seele auf die Festeszeiten aufgeprägt.

Hinzukommen dann auch noch die sentimentalen Gefühle. Durch schmückende Elemente, durch Musik, Düfte oder Speisen wird die Seele in bestimmte Regionen erhoben, wo sie starke Gefühle erlebt. Diese Gefühle aber sind nicht selbst hervorgebracht, sondern von außen impulsiert. Durch äußere Sinneseindrücke, wird ein gesteigertes Gefühlselement erweckt.  Man könnte sagen, dass hier Ahriman mit Luzifer zusammenarbeitet: Das äußere Mittel (ahrimanische Geste), z.B. die Dekoration oder der musikalische Klang ruft in mir ein starkes Echo hervor, das mein Selbsterleben steigert, das mir in mir Wohlgefühle erweckt (luzifersiche Geste).

Es kann sogar noch raffinierter sein: Es kann auch schon die erweckte Erinnerung an frühere Festeserlebnisse solche Selbst-Wohl-Gefühle erwecken.

All dies muss man - wenn man denn in neue innere Regionen vorstoßen will - versuchen auszuschließen, durch treue und selbsthinterfragende Seelenbeobachtung:
Was erlebe ich hier und heute durch meine eigene, aktuelle Seelenbetätigung und dann durch die Beobachtung der Folgen dieser Betätigung?
Eine aktive Seelenbetätigung kann auch die bewusste Beobachtung und das Erspüren der Natur sein. Es kann auch das besonders aktive und bewusste Lesen eines passenden Textes sein und danach das Beobachten, wie die gelesenen Worte z.B. über Nacht in mir weiter gewirkt haben.

21.12.10

„Ich suche und finde den Christus im Menschen“

Den folgenden Post fand ich auf der Seite:
"DIE PHILOSOPHIE DER FREIHEIT RUDOLF STEINERS"
von Junko Althaus


„Ich suche und finde den Christus im Menschen“

Wieso sucht der Mensch ihn noch heute
in seinem irdischen Leichnam?
Er lebt nicht bei den Toten.

Ich finde ihn im Menschen,
das Ich–Bin in jedem Menschen.

Jemand sagte zu mir,
ich sei unverrückbar konzentriert
wenn ich an Menschenschicksal forsche.
Wieso eigentlich ?

Mit Seele und Geist,
gebe ich mich ganz dem Erkennen hin,
um wahrzunehmen
die einzigartigen Qualitäten im Menschen
und charakterisiere sie im Wort.

Denn sie sind für mich
lebendige Offenbarung einzigartiger Göttlichkeit
des individualisierten Ich-Bins

Und in diesem individualisierten Ich-Bin
glänzt und strahlt das kosmische Ich-Bin,
der Christus-Logos mir entgegen.

Tief berührt und angetan
von individueller Strahlkraft des Ich-Bins
weil in mir auch das gleiche Ich-Bin lebt,
dessen Glanz zum Ausdruck kommt
nur in einer anderen Art und Weise

Ich suche den Christus,
nicht in den zerstörten Häusern
und auch nicht in den verstaubten Büchern
sondern in allen Menschen,
die sein Leben und Schicksal durchleben

Denn Ich weis,
dass ich ihm im Menschen begegne
und finde ihn,
den Logos, den Christus


20.12.10

Sind die Anthroposophen im Himmel alleine?

"Die neuen Toten werden an der Himmelspforte von Petrus empfangen. Der gibt erst einmal eine Führung durch die Himmelsräume. In dem ersten Saal befinden sich lauter Leute die ununterbrochen Gebete murmeln. "Das sind die Katholiken" sagt Petrus. Aus einen weiteren Saal hört man ununterbrochen Gesang. "Das sind die Protestanten" Am nächsten Saal müssen sie lautlos vorbei schleichen. Auf die Frage "warum" antwortet Petrus "Das waren die Anthroposophen, die denken sie wären alleine hier.""

18.12.10

Gespräch II

Günter Röschert gibt in der gestern erwähnten Schrift Hinweise, welche Kriterien für ein wirkliches Gespräch gelten müssten (S.62f): 

Das Gespräch ist das Urgeschehen der Gemeinschaft der Individualitäten.
Das bedeutet für das gelingende Forschungsgespräch:
‑ jeder Gesprächsbeitrag ist durch und durch individuell, da er aus dem frei gewollten reinen Denken stammt; er dient dem Transpersonal‑Gemeinsamen des Gesprächs: Das rein Individuelle ist das Gemeinsame.
‑ Es ist durch wahrnehmbare auditive Vorgänge getragen, seiner Wesenheit nach aber rein gedanklicher Natur. Es ist zugleich ein tatsächlicher Vorgang, eine Handlung, die auf der Einheit von Denken und Wollen beruht.
‑ Es verlangt eine intensive, gewissenhafte, individuelle Vorbereitung, die aber am besten wirkt, wenn sie nicht am vorbereiteten Menschen, sondern an den anderen Teilnehmern zum Ausdruck kommt.
‑ Es ist ein lebendiger Organismus von Geben und Nehmen. Wer spricht, nimmt die Aufmerksamkeit der Hörer in Anspruch, aber er gibt auch; wer hört, gibt sein eigenes Ausdrucksinteresse hin zugunsten des Hörens, er verzichtet so lange auf Sprechen.
- Es unterliegt keinerlei Normen, Verboten, Indices usw., es ist völlig frei. Es unterliegt seinem eigenen Logos, dem sich die Teilnehmer frei hingeben.

Bedingungen und Erfahrungen
Man könnte glauben, ein Gespräch unter Mitgliedern über einen geisteswissenschaftlichen Text Schritt für Schritt zu führen, könne doch nicht schwer sein. jeder Sprecher knüpft eben an seinen Vorredner an, dann kommt das Gespräch ganz von selbst zustande. Diese Annahme erweist sich rasch als naiver Irrtum. Es ist tatsächlich bestürzend schwer, ein der Hochschulidee gemäßes Gespräch zu führen. Gleichwohl ist Gesprächsfähigkeit eine anthropologische Veranlagung. Der werdende Mensch wächst im Gespräch, an seinen Unzulänglichkeiten vertieft sich seine Selbsterkenntnis."
In einem Forschungsgespräch der Hochschule werden Gedanken ausgetauscht, nicht nur Worte. Die wechselseitig vermittelten Gedankeninhalte werden aktuell hervorgebracht, also aktuell auch verantwortet, wodurch sich das Denkbewusstsein des Gesprächskreises bildet. Das Gespräch ist gegenseitige Hilfeleistung auf der Grundlage gegenseitiger Anerkennung. Nicht auf schnelle Übereinstimmung bei bekannten und eingeschliffenen Überzeugungskomplexen kommt es an im Schatten von Worten und Aussagestücken, sondern auf die ergebnisoffene Fragehaltung.
Das Gespräch ist dem Bildevorgang geschuldet, nicht den Inhalten. Es ist eine in jedem Augenblick entstehende Wesenheit, nicht die Kumulation der einzelnen Redebeiträge. 



17.12.10

Das Gespräch I

Vor kurzem erschien von Günter Röschert ein kleines Büchlein "Das freie Hochschulgespräch als umgekehrter Kultus - Das Existenzproblem der Freien Hochschule". Darin fasst er einige bereits früher veröffentlichte Artikel zum Thema Gespräch oder Hochschulgespräch zusammen.

Zunächst sei hier das Ende seiner Ausführungen (S.78f) zitiert:
Ausblick 
Gesprächen über Inhalte der Geisteswissenschaft im weiteren Sinne kann entgegengehalten werden, dass entscheidende spirituelle Erfahrungen, schon auf dem Gebiete des intuitiven Denkens, nur vom einzelnen Menschen erlangt werden können. Das ist sicher richtig, doch bedarf auch jede ernsthafte eigene Erfahrung der Bestätigung und Rechtfertigung durch eine wie immer geartete Gemeinschaft. Das Verhältnis persönlicher Einsichten oder auch nur Vermutungen zu den Vorgängen im Gespräch mit anderen Menschen ist ein Verhältnis wechselseitiger Hilfe und Befruchtung, wie es das dialogische Prinzip in einer Hochschule oder Akademie erfordert. Im Werke Rudolf Steiners ist eine kaum auszuschöpfende Fülle möglicher Forschungsinhalte veranlagt. Man könnte nun meinen, es müsse ganz leicht sein, mit erfahrenen Anthroposophen ins Gespräch zu kommen, ohne dass irgendeine signifikante Persönlichkeit ins Dozieren oder gar ins Verkünden kommt. Irrtum! Schon nach wenigen Versuchen zeigt sich, dass es ungeheuer schwer, für manche Menschen unerreichbar schwer ist, ein verantwortliches Gespräch mit anderen Menschen, vorrangig um des Gesprächs selbst willen, zu führen. Gerade der vielfach vorhandene, in Jahren oder Jahrzehnten angesammelte Wissensstoff kann zum schweren Hindernis für den überpersönlichen Gesprächsverlauf werden. Die Überzeugung, man bilde in einem anthroposophischen Gesprächskreis das Gefäß für die Herabkunft geistiger Wesenheiten, ist gewiss nicht falsch, zunächst aber handelt es sich um reine Anmaßung.
 Es darf nicht übersehen werden, dass ein anthroposophisches Hochschulgespräch einer sicheren moralischen Basis bedarf. Im Übrigen ist ganz offen, welche Geister sich einer Gesprächsgruppe nahen. Bei näherem Bedenken zeigt sich, dass die Gesprächsbeteiligung einer seelisch‑geistigen Fähigkeit bedarf, die Rudolf Steiner als «moralische Phantasie» bezeichnet hat und die das geheime Zentrum seiner Freiheitsphilosophie ist. Die moralische Phantasie ist das Wahrnehmungsorgan für die inneren Erfordernisse jeder Situation, also auch jeder Gesprächssituation. 
Alle geisteswissenschaftlichen Forschungsbereiche ‑ und das bedeutet auch alle Mitteilungen Rudolf Steiners ‑ bedürfen fortlaufender Prüfung und Bewegung in Gesprächen, die der geistigen Welt zur Akzeptanz oder Abweisung angeboten werden. Ob dies geschieht und in welcher Konsequenz, ist das Existenzproblem der Freien Hochschule. 

13.12.10

Klassenstunden 4

"Damals [im Jahr 1925, als einem prominenten Mitglied der ersten Klasse auf einer Rußlandreise die Mantren abgenommen worden waren] sprach Herr Steffen ein Wort aus, das mir seither immer nachgegangen ist. Er sagte: Ich würde sie [die Texte der Klassenstunden] allgemein bekannt geben.- Ich war damals sehr erschrocken, es fuhr mir etwas ins Herz, aber zugleich kam mir der Gedanke, vielleicht ist es der beste Schutz." 

Marie Steiner: Brief vom 4. Januar 1948

11.12.10

Wie weiter mit der Anthroposophie?

In den "infoseiten Anthroposophie" Herbst 2010 schrieb Frau Sam einen Artikel: 
__________________________________________________
Martina Maria Sam

Ursprüngliche Impulse aus dem Geistigen schöpfen

In Bezug auf die gegebene Fragestellung haben mich immer die Worte Rudolf Steiners zur Eröffnung der Weihnachtstagung 1923/1924 besonders angesprochen, in denen er den Mitgliedern ans Herz legt, zur Anthroposophie zu stehen, sie nicht voreilig in Parallele mit anscheinend ähnlichen Entwicklungen zu bringen und sich des „Ursprünglichen“, des „Primären“ ihrer zentralen Impulse bewusst zu sein. Ganz scharf betont er z. B. in Bezug auf die Eurythmie: sie dürfte „in keiner Weise verglichen werden (…) mit irgend etwas anderem, was scheinbar ähnlich heute in der Welt auftritt“.

Warum warnt Rudolf Steiner vor der „Kontextualisierung“, wo er doch selbst interessiert am Zeitgeschehen teilnahm? Warum betont er so akzentuiert das Eigen- und Einzigartige der anthroposophischen Impulse?

Offensichtlich weil es eben ursprüngliche, primäre Impulse sind, die sich nicht aus einer historischen Entwicklung ‹horizontal› ableiten lassen, sondern direkt (‹vertikal›) aus dem Geistigen als ‹Neugeburt› geschöpft sind („etwas durchaus aus den allerursprünglichsten Quellen der Menschheits-Entwickelung heraus schöpfendes Neues“).

....
Martina Maria Sam ist Leiterin der Sektion für Schöne Wissenschaften am Goetheanum."

_________________________________________________________
Ganzer Artikel: http://www.info3.de

Warum sind Anthroposophen eigentlich nicht revolutionär?

Auf "menschenweltenzeit" fand ich einen Artikel, auf den ich hier hinweisen möchte:


hier ein Ausschnitt:
_____________________________________________________
"Aber warum kämpfen, hacken und leaken die Anthroposophen eigentlich nicht mit? Warum machen sie keine Politik? Warum demonstrieren sie nicht? Warum halten sie sich aus Stellungnahmen zum Zeitgeschehen heraus? Sind sie völlig weltfremd? Jenseits von gut und böse? Durch Anthroposophie erkennt man doch eigentlich sehr gut um die ganzen Missstäde der Welt. Anhand der Dreigliederung wird doch handgreiflich, wie korrumpiert und krankder soziale Organismus heute ist.

Wenn man die Anthroposophie erarbeitet, lernt man Wirklichkeit der Geistwelt hinter den Phänomenen kennen, man sieht die Konturen genauer, erkennt lichtbringende, heilsame Situationen, und genau so deutlich auch die Realität, dass es Menschen gibt, die in einen so extremen Egoismus fallen, dass sie aus dem Leid anderer Menschen ihre Kraft beziehen, die sich ganz dem Bösen verschreiben, die sogar bereit sind, den Planeten unbewohnbar zu machen, die halbe Menschheit zu vernichten wollen aus Machtgier. Man weiß um das verderbliche Wirken der größten Teils dekadent gewordenen Geheimlogenbrüder, weil Rudolf Steiner selbst zunächst anknüpfte an freimaurerisches Geheimwissen, bevor er alle Esoterik herauslöste aus dem Verborgenen und veröffentlichte und erweiterte, so dass sie von allen Menschen zum Gute angewandt werden kann.

Und was kann man nun im Sinne der Anthroposophie tun?"
__________________________________________

9.12.10

Trauer

In Fortsetzung des gestern Gesagten gilt gleichfalls, dass nach dem Tode eines Menschen die Mitmenschen ihre Trauer mäßigen sollen.

Heftige Trauer Gefühle sind eine Realität. Sie hängen sich wie finstere Bleiklötze an die Seele des Verstorbenen. Sie belasten ihn und verhindern so das Aufsteigen der Seele in lichtere, leichtere, höhere Regionen.

Man prüfe selbstkritisch das Wesen der eigenen Trauergefühle. Ihnen haftet oft viel Egoistisches an.

Da für den Anthroposophen deutlich ist, dass nur der Leib stirbt, aber nicht die Seele, so müssen sich auch seine Gefühle anders gestalten als bei einem Menschen, der nichts von Reinkarnation weiß.

Antroposophie darf nie nur als schöne Theorie betrachtet werden, sondern sie muss zur Lebenspraxis werden. Dann wird es bald viele Probleme, die heute die Gesellschaft belasten, nicht mehr geben.

8.12.10

Zuversicht

Die gestern geschilderte Art von Zuversicht soll besonders auch im Umgang mit dem Tod gelten; besonders dem Tod anderer Menschen.

Bis zum Todesmoment eines Mitmenschen durchdringe man sich mit Gefühlen des "Lebens", mit der Hoffnung, dass er noch sehr lange weiterleben möge.

So strahlt man gute Kräfte dem Kranken entgegen, die ihm helfen. Akzeptiert man eine Sekunde, dass der Tod Macht über einen Menschen ausüben wird, hat man sich schon mit dem Tod verbündet.

Ungut sind Redewendungen wie: "Der Tod wird ihn sicher bald von seinen Schmerzen erlösen..."

Auch wenn der Tod eine Weltentatsache ist, so darf man ihn nie befürworten. Wie man gleichfalls nie ein Verbrechen befürworten kann.

Rudolf Steiner wies besonders für den Arzt darauf hin, dass er bis zu allerletzt um das Leben des Sterbenden ringen muss. Er muss förmlich gegen den Tod ankämpfen und immer noch etwas Heilendes versuchen.

Jede gewonnene Minute, jeder gewonnene Tag ist ein Sieg über den Herren des Todes, über Ahriman.

7.12.10

Zukunftsfreude oder Zukunftsleid

Man prüfe einmal in seiner Seele, welche Gefühle in einem weben in Bezug auf die fernere Zukunft des Lebens und der Menschheit.
_________________________________________
(Möglichst nicht gleich weiter lesen, sondern erst nachspüren.)
_________________________________________

Sind es Gefühle der Freude oder der Angst? Überwiegt Sorge und Bangigkeit oder Zuversicht?

Welcher Art die herrschenden Gefühle der meisten Menschen sind, kann man täglich in Gesprächen und in den Medien erleben.
Aber wie ist es bei uns?
Sind wir so erfüllt von Geisteswissenschaft, dass wir vom Sieg der guten Mächte überzeugt sind? Erleben wir wohl Sorge und Not, aber fühlen wir auch, dass die Zukunft eine lichthafte sein wird?

Dieses Gefühl muss der Anthroposoph ganz, ganz stark in sich erwecken. Mit Freude und Leidenschaft. Er wird alle Ängste und Verzweiflungen der Menschheit fühlen, er wird das nie vernachlässigen. Aber er sieht eine herrliche Morgenröte der Zukunft am Horizont, die immer gewaltiger und größer wird.

Nur durch diese Gefühle wird in der Seele die rechte Kraft erwachen, die er für seine Arbeit braucht. Lichthaft strahlt dann diese Kraft in die Welt hinaus.

Dieser Meditationsspruch könnte dazu passen:
(aus  GA 245) 
Sieghafter Geist 
Durchflamme die Ohnmacht
Zaghafter Seelen. 
Verbrenne die Ichsucht,
Entzünde das Mitleid, 
Dass Selbstlosigkeit, 
Der Lebensstrom der Menschheit, 
Walte als Quelle 
Der geistigen Wiedergeburt. 

6.12.10

Prophetie

In seinem Artikel (siehe Post vom 1.12.2010) wies Herr Schad darauf hin, dass Anthroposophie "die Zukunft ist".

So kann man bei ernsthafter anthroposophischer Arbeit auch sagen, dass sie immer etwas Prophetisches mit sich bringt. Aus der Geisteswissenschaft ergeben sich wahre Zukunftsbilder.

Leider werden diese Zukunftsbilder immer wieder leicht missverstanden. Viele Menschen neigen dazu, nur die negativen Seiten solcher Bilder zu betrachten. Man kann aber immer auch die lichten Seiten der Zukunft sehen und in sich wirken lassen.

Zukunftsbilder gehen sogar soweit und sind so praktisch, dass folgendes möglich ist: Rudolf Steiner erwähnte einmal, dass ein Kollegium, das spirituell zusammenarbeitet, sogar die Baukosten eines Neubaus ziemlich genau vorhersagen können wird.

Normalerweise mischen sich Ahrimanisches und Luziferisches mit gewaltiger Macht in zukünftige Planungen ein. Dadurch kommt es zu großen Abweichungen von der Realität. Spirituelles Arbeiten bedeutet immer auch ein weitgehendes Neutralisieren der Widersachermächte in den Menschenseelen. So werden Wahrheiten möglich.

4.12.10

"Nomen est omen"

Wenn ein neues Projekt gestartet wird, dann entsteht immer die Frage der Namensgebung. Schon im Namen drückt sich vieles vom Wesen einer Sache aus.

Es gibt Namen für eine Sache, die sollen die Sache verschönern, sollen dem Leser des Namens etwas vermitteln, was gar nicht unmittelbar mit der Sache zu tun hat. Es werden durch einen solchen Namen manchmal auch seine Wünsche, Träume, Begierden usw. angesprochen. Ein Beispiel wäre der Name „Rocket“ (Rakete) für eine Lokomotive. Oder „Lichtblick“ oder „Grüner Strom“ für einen Stromlieferanten. Hier geht es um die Erweckung von Assoziationen oder gar Illusionen beim Kunden, da Strom z.B. nie grün sein kann. Wenn eine Bekleidungsmarke den Namen einer Automarke trägt, z.B. „bugatti“, versucht man, sich deren Geist zunutze zu machen.

Die andere Art von Bezeichnungen drückt sich in Begriffen wie VW oder DAX aus. Es werden meist die Anfangsbuchstaben von längeren Begriffen genommen und zu einem neuen Kunst-Begriff zusammengesetzt.

In der ersten Art, einen Namen zu wählen, wirkt Luzifer mit. In der zweiten Ahriman. Deshalb ist die zweite Art auch bei Firmen so bliebt, weil damit irdische Macht verstärkt wird.

Der andere Weg ist, dass man versucht das Wesen einer Sache unmittelbar im Wesen des Namens zum Ausdruck zu bringen. Dabei macht man sich auf die Suche nach einem wirklichen wesenhaften Namen oder Begriff und versucht, diesen in Ernsthaftigkeit mit einer Sache zu verbinden. Rudolf Steiner gab uns Beispiele z.B. bei der Wahl des Namens „Goetheanum“ oder „Weleda“ für die Heilmittelproduktion.(Veleda ist der Name einer germanischen Seherin, wahrscheinlich auch Heilerin, die im 1. Jahrhundert n. Chr. bei den Brukterern wirkte- nach Wikipedia).

Der Name kann dann durch das Wesen, das mit ihm verbunden ist, Kraft- und Inspirationsquell für die jeweilige Sache werden.

Man könnte diesen Weg als den christlich-michaelischen bezeichnen.

2.12.10

Charakteristik von Jahrtausend-Wenden

7.3.1914 - Stuttgart - Die Jahrtausendwenden. Die Entwicklung der Baukunst. Normannische Holzbauten. Der Dornacher Bau
Aus einem Vortrage von Dr. Rudolf Steiner
Stuttgart, 7.März l9l4

"Als das Jahr l000 herannahte, lebte die europäische Menschheit in großer Furcht vor dem erwarteten Ende der Welt, Man erwartete dieses in physischem Sinne als ein Sich-Auflösen der Erde in Rauch und Nebel. Es waren die ahrimanischen Geister, die den Menschen diese Idee beibrachten, dass sich etwas Furchtbares auf dem physischen Plan abspielen würde, während sich in Wirklichkeit mancherlei in der geistigen Welt abspielte.(Anm.d.Hrsg: Diese Bemerkung scheint mir wichtig. Man blickt immer nur auf den physischen Plan und achtet nicht auf die geistigen Umschwünge - auch bei der letzten Jahrtausend-Wende)


Bei jedem Jahrtausend haben die ahrimanischen und luziferischen Geister eine besondere Macht, Die Menschheit braucht auf das Zehnersystem, das heute das vorherrschende ist, nicht besonders stolz zu sein. Jedes Zahlensystem wird von bestimmten Geistern in die Welt gebracht und ein jedes hat die Neigung, gewisse Tatsachen und Zusammenhänge von Tatsachen klarer zu zeigen und andere zu verdunkeln, zurücktreten zu lassen. In dem Zehnersystem wirken nun sehr stark ahrimanische Impulse, Es lässt hervortreten die Tatsache, dass bei jedem Jahrtausend (also im Jahre 1000, 2000 u.s.w.) ein besonders starker Angriff Luzifers und Ahrimans vereint stattfindet. In den anderen Jahrhunderten halten sie sich mehr das Gleichgewicht. In dem Jahrhundert aber, wo man schrieb .9. , also auch in unserem Jahrhundert 19.. wenn es gegen das neue Jahrtausend geht, vereinigen sie sich und wirken zusammen auf die Menschen ein. Diese Tatsache lebt noch im Volksglauben, dass während tausend Jahren Luzifer und Ahriman an der Kette liegen und dass sie dann für kurze Zeit losgelassen werden. In den vorchristlichen Jahrtausenden ( l000, 2000, 3000 v.Chr.) war es so, dass dann zu gleicher Zeit ein besonders starker Einfluss der guten, fortschreitenden Mächte stattfand, der diese vereinigte luziferisch-ahrimanische Wirkung im Zaune hielt und ein besonders Gutes daraus entstehen ließ.


So sehen wir, wie im Jahre 3000 v, Chr. die Pyramiden gebaut wurden, im Jahre 2000 war es das Zeitalter Abrahams und alles was daraus entstand war zugleich ein Höhepunkt der babylonischen Kultur. Im Jahre l000 v, Chr. war das Zeitalter Davids; der Bau des salomonischen Tempels wurde vorbereitet, Im Jahre 0 erschien der Christus - und wir haben oft auseinandergesetzt, wie auch den Evangelien, und besonders dem 5.Evangelium der Christus den Kampf mit Luzifer und Ahriman aufnehmen musste. In den nachchristlichen Zeiten aber konnten die guten, fortschreitenden Geister nicht mehr so eingreifen; die Menschheit wurde überlassen den Angriffen Luzifers und Ahrimans. Diese erreichten jedenfalls dieses, dass sie das Denken der Menschen verwirrten, dass sie einen Irrtum Zugang

finden ließen, den Irrtum von dem herannahenden physischen Ende der Welt. Sie haben immer ein Interesse daran, die Dinge viel zu räumlich-zeitlich vorzustellen. In dieser Zelt kam zum ersten Mal ein "Beweis“ für das Dasein Gottes auf, den der Bischof von Canterbury brachte, sowie die Auffassung seines Gegners Roscelin. In dieser Zeit war es auch, dass die Päpste das Prinzip der christlichen Demut mit Füßen tretend, sich erhoben in äußerer Macht, dass Kaiser Heinrich sich in Canossa vor dem Papst erniedrigte, als die ganze äußere Kirche zu Gebräuchen kam, die ein Hohngelächter der ahrimanische Geister erweckten. Diese ahrimanischen Geister sind es, die jetzt wiederum ihren
Einfluss geltend machen, da wir uns nun dem Jahre 2000 nähern. Aber die Entwickelung geht im Pendelschlag. Im Jahre l000 erwartete man das Ende der Welt, im Jahre 2000 erwartet man genau das Gegenteil, im Jahre 3000 wird man wieder das Ende der Welt erwarten, aber die Welt wird dann so geworden sein, dass ganze Völkerschaften dieses Ende herbeisehnen werden. Man kann so ohne alle Sentimentalität sagen bzw. aussprechen: Die europäische Menschheit geht furchtbaren Zelten entgegen. 



Nehmen wir die Baukunst und die Einflüsse auf diese, Im Jahre 3000 v.Chr. wurden die Pyramiden gebaut, im Jahre 2000 kamen die Hüttenbauten (Abrahams Zeitalter) im Jahre 1000 v. Chr. wurde der Tempel von Salomon vorbereitet. Im Jahre 1000 nach. Christus konnte das Neue, das kommen sollte, sich nicht durchdringen infolge der entgegenwirkenden Kräfte Luzifers and Ahrimans. Wir sehen die Normannen, die aus Skandinavien sich über West- und Mitteleuropa verbreiteten, wie sie in ihren Holzbauten etwas auszudrücken versuchten, was nicht zur völligen Entwickelung hat kommen können. Gewisse Linien sind darin veranlagt, aber nicht weiter ausgearbeitet, weil der ahrimanische Einfluss es verhinderte. Statt dessen kam die Maurenkultur auf, die Architektur von Cordoba und Granada, der Hufeisenbogen und Spitzbogen, welche verdrängen die wahrhaft christlichen Rundbogen der romanischen (Kultur) Architektur. In der Maurenkultur kann man unmittelbar den antichristlichen Einschlag sehen, in dem Spitzenlauf der Bogen, die eigentlich rund hatten sein sollen; das ist Ahrimans Zeichen. So wirkte Ahriman als der Antichrist in der Baukunst, indem er ersetzte den runden romanischen Bogen durch den Hufeisen- oder Spitzbogen, so wirkte er durch die Mauren und auch durch die Türken.(Die Gothik ist also keine rein christliche Kunst mehr!) So ließ er die Kunst der Normannen nicht zur Entwickelung kommen, deren Holzbauten, welche sie in ganz Europa errichteten, nicht dasjenige gegeben haben, was sie hätten geben sollen. So kommt es, dass wir aus dem Jahre l000 nicht die Bauwerke haben, wie aus früheren Jahrtausenden.(Ob Rudolf Steiner damit die nordischen Stabkirchen meint? Oder ist die normannische Kunst ganz verschwunden?)

Jetzt soll aber von Neuem die Architektur für das neue Jahrtausend geschaffen werden. Jetzt müssen wir ausdrücken die runden Linien, die Ahriman in den normannischen Bauten unterdrückte. Wir müssen auslassen gewisse (?), die man in diesen findet, dann hat man unseren Dornacher Bau, die wahre Fortsetzung der Holzbauten der Normannen.

Furchtbare Zeiten stehen der Menschheit in Europa bevor. Wir wissen, dass, wenn das erste Drittel dieses Jahrhunderts vorbei ist, der Christus geschaut werden wird in seiner Aethergestalt und dass dieses einen gewaltigen Impuls abgeben wird neben all den untergehenden Neigungen dieses Jahrhunderts. In den älteren Zeiten, wie z.B. im Jahre l000 mussten die Menschen wohl glauben, was Luzifer und Ahriman ihnen weismachten, weil sie den wahren bewussten Christusimpuls noch nicht in sich hatten. Wir aber müssen nicht mehr, wir sollen freiwillig diesen neuen Christusimpuls aufnehmen, damit wir Luzifer und Ahriman Widerstand leisten können. Es wird so sein im 2o.Jahrhundert, dass Luzifer und Ahriman sich insbesonders bemächtigen werden des Namens, ein Christ zu sein. Menschen werden sich Christen nennen, die von dem wahren Christentum keine Spur mehr in sich haben werden, und sie werden wüten gegen diejenigen, die sich nicht nur halten an das, was der Christus einmal nach der Überlieferung der Evangelien gesagt hat, sondern für welche das Wort gilt "Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt", die sich richten werden nach dem lebendigen, fortwirkenden Christusimpuls. Gegen diese wird man wüten, Verwirrung und Verwüstung wird herrschen, wenn das Jahr 2ooo herannaht, und dann wird auch von unserem Dornacher Bau kein Holzstück mehr auf dem anderen liegen, alles wird zerstört, verwüstet werden." 
Aber wenn das Jahr 2086 kommt, wird man überall in Europa aufsteigen sehen Gebäude, die geistigen Zielen gewidmet sind und die Abbilder sein werden von unserem Dornacher Bau mit seinen zwei Kuppeln, in denen das geistige Leben blühen wird."

1.12.10

Anthroposophie i s t die Zukunft

Im Goetheanum Nr.48, 26.Nov.2010 schreibt Wolfgang Schad zum Thema:“Wie geht es weiter mit der Anthroposophie?“

Er stellt darin dar, dass Anthroposophie selbst schon die Zukunft ist. Es stelle sich deshalb gar nicht die Frage, ob Anthroposophie heute in ausreichendem Maße in der Welt wahrgenommen, akzeptiert oder anerkannt werde. „Was der Einzelne ins Rechte denkt, ist - weil Gedanken real sind – auf Dauer viel wirksamer, als die Sprachspiele „in“ zu sein.“

Hier kommt im Goetheanum ein Mensch zu Wort, der tiefgründig geistig zu arbeiten versteht und dadurch auch eigenständige Urteile bilden kann. Er kann sich von gängigen Meinungen lösen und sich ganz auf selbsterrungene Wahrheiten und Überzeugungen stützen.

Wenn man das Vorwort aufmerksam liest, dann kann man zwischen den Zeilen lesen, dass die Goetheanum-Redaktion sich nicht voll hinter Schads Ausführungen stellen will. Sie muss natürlich etwas gegen diesen Text haben, da ihre Politik in eine ganz andere Richtung geht. Man intendiert aktuell und modern sein zu wollen. Eine solche gründliche, lang gereifte, wirklich geisteswissenschaftliche Überzeugung muss ihr deshalb suspekt erscheinen.

Wolfgang Schad
_________________________________________________

Es folgen einige Auszüge aus dem Text:

"Alle drei, jeden Tag" 
Wolfgang Schad

Vorwort der Redaktion (!): „Wie geht es weiter mit der Anthroposophie?" Diese Frage war zentral angesichts des bevorstehenden Jubiläumsjahres 2011 für die Herbstausgabe der „infoseiten anthroposophie“. Auch der Waldorfpädagoge und Naturwissenschaftler Wolfgang Schad wurde gebeten, sich zu der Frage zu äußern. Seine Antwort reichen wir nun im „Goetheanum“ für sich selbst stehend nach (Warum wird sie nachgereicht?), da sie grundsätzlicher Natur ist und, so hoffen wir, für weitere Gedanken und Gespräche Ausgangspunkt sein kann.(Das heißt genau genommen: Andere Artikel im Goetheanum können nicht Ausgangspunkt für weitere, eigene Gedanken sein. Damit trifft die Redaktion den Punkt: Sie sind nämlich wirklich nicht Ausgangspunkt für eigene Gedanken. Die Grundtendenz in den anderen Artikeln ist, die eigenen Gedanken und Vorurteile zu bestätigen, zu befestigen. Man schwimmt mit im "Mainstream"! Das ist wichtig! Das gibt vordergründige Befriedigung!)

__________________________________

„... Die Gegenwartskultur aber kann nur gesund sein, wenn jetzt schon in ihr die künftigen Ideale und Fähigkeiten keimhaft vorhanden sind, um jetzt schon einfließen zu können, wo die Not am größten ist und danach gefragt wird. Dann stellt Steiner die nächstliegende Frage: Was ist in der heutigen fünften, nachatlantischen Kulturepoche die im Keim schon vorhandene sechste Kultur? Und gibt als Antwort: die Anthroposophie.

«Die Anthroposophie hat nicht irgendeine
Zukunft, sondern sie ist die Zukunft. »



Das heißt mit anderen Worten: Die Anthroposophie hat gar nicht die Aufgabe, jetzt schon zur allgemeinen Kultur zu werden, sondern jene, über Jahrhunderte hin die künftige Kultur vorzubereiten. Ja aber – wir haben doch auf den anthroposophischen Berufsfeldern viel öffentliche Anerkennung schon gewonnen ‑und nun das? Die Biografie Steiners selbst gibt die Antwort.

Sein hinterlassenes Werk stellt uns einen ungeheuren Umfang an Bildungsgut aus den vergangenen Kulturepochen und Weltentwicklungsepochen zur Verfügung, an dem jeder Leser gewaltig viel lernen kann. Dann gibt es den Steiner seiner Zeit, der sich zum Erschrecken der älteren Mitglieder nach dem Ersten Weltkrieg in die Tagespolitik einmischte und Volksredner ausbildete. Auf Nachfragen der Jüngeren half er sofort, die Berufsfelder der Ärzte, Pharmazeuten, Pädagogen, Heilpädagogen, Landwirte, Priester, Wirtschaftler und anderer zu erneuern. Aber das waren für ihn nur die Tochterbewegungen, die ihre Aufgaben eben ganz im Hier und jetzt haben. Seine Hauptlebensleistung aber liegt im Hereinholen der „Mutter“: Zugang zum Übersinnlichen für die Zukunft einer vor uns liegenden Kulturvision zu schaffen. Seine größte Sorge nach der Begründung der „Tochter“, war, dass die Mutter ausblutet. Wer widmete und widmet sich denn seitdem „der Förderung der Forschung auf geistigem Felde“? Darin besteht die Zukunft. Die Berufsesoterik allein reicht dafür nicht aus.
...Der Waldorflehrer hat zum Beispiel die Schätze der Vergangenheit als Kulturtechniken und Bildungsgut weiterzugeben; aber wehe, wenn es nur dabei bleibt. Jeder Tag in der Klasse mit den leibhaftigen Schülern ist das volle, unvorhersagbare Leben. Darin ist er hoffentlich ganz Zeitgenosse. Als Anthroposoph aber habe ich zugleich im Stillen an der Zukunft weiterer Jahrhunderte (nicht nur des 21.) vorbereitend mitzuarbeiten. Und das spüren sogar dankbar die Nachwachsenden als die unausgesprochenen ‚unsichtbaren Drähte’. ...

Substanzbildung von innen

Auch ich habe die Hälfte meines Lebens daran erst einmal gelitten, warum der anthroposophische Kulturraum nicht die gegenwärtige allgemeine Anerkennung findet. Es ist doch allein schon unsäglich, was jeder verpasst, der die Anthroposophie nicht im Kern kennenlernt. Bis ich bemerkte, dass dieses Leid und Mitleid sehr egoistisch ist ‑ Der eigene Astralleib möchte den Genuss der Anerkennung haben. Das echte Ich braucht sie nicht. So der innere Goethe «Die ungeheuerste Kultur, die der Mensch sich geben kann, ist die Überzeugung, dass die andern nicht danach fragen.»

Was der Einzelne ins Rechte denkt, ist ‑ weil Gedanken real sind ‑ auf Dauer viel wirksamer als die Sprachspiele, ‚in’ zu sein. Wenn Bodo von Plato derzeit beklagt: «Warum sind wir nicht öffentlich voll anerkannt, das Goetheanum ist doch so gut», so bringt das gar nichts. Auch wenn dem so wäre, brauchen wir keine Anerkennung von außen. Aller Drang, doch endlich in der ‚Mitte’ der Gesellschaft anzukommen (die ‚Mitte’ ist der Medien‑Blätterwald), führt dazu, die Anthroposophie nicht mehr als Zukunftsbewegung zu betreiben.

Die geheime Weltkultur Goethes, nach der das Goetheanum benannt worden ist, hat die Biedermeierzeit, das Zweite Kaiserreich, den Ersten Weltkrieg, die braune Flut und die kommunistische Unkultur überlebt und wird nach einer Äußerung von Herrmann Grimm, die Steiner unterstrich, erst in 1000 Jahren voll aufblühen. Die Anthroposophie wird es in doppelt so langer Zeit. Dafür haben wir uns als Anthroposophen einzusetzen. Daran wird auch das bevorstehende Jubiläumsjahr nichts ändern können.“

30.11.10

Eine „Hiobs“-Botschaft

Aus den Karmavorträgen

„In der physisch – irdischen Welt, - wir haben gute Absichten, neben uns steht einer , der hat sehr böse Absichten: wir versuchen gute Handlungen auszuführen, es gelingt uns mehr oder weniger, neben uns steht einer, dem sozusagen alles gelingt. Wir sehen dann das Leben dahingehen. Nach Jahren oder Jahrzehnten blicken wir zurück auf dasjenige, was geschehen ist, und man kommt allzu leicht gegenüber dem physisch-irdischen Verlauf zum Urteil: Es ist nicht so, dass die gute Absicht, aber auch die guten Taten , im Erdenleben auch gute Folgen haben für den Menschen.- Zum Beispiel erscheint auf der Erde der Gute bestraft der Böse belohnt, indem der Gute unglücklich werden kann, der Böse glücklich werden kann. Wir sehen keinen Zusammenhang zwischen demjenigen, was moralisch lebt, und demjenigen, was sich physisch verwirklicht.


Dagegen hat alles Physische seine Konsequenzen; die magnetische Kraft muss das Eisen anziehen, sie hat diese notwendige Konsequenz. Auf der Erde verwirklicht sich zunächst für dasjenige Leben, das wir durchleben zwischen Geburt und Tod, nur, was im physischen Zusammenhang steht. Nun meine lieben Freunde, einen solchen physischen Zusammenhang gibt es im Sonnensein nicht. In diesem Sonnensein gibt es nur einen moralischen Zusammenhang. Jedes Moralische hat dort die Macht sich auch zu realisieren und in entsprechender Weise zu realisieren. Das Gute bewirkt Daseinserscheinungen, die beglückend sind, das Böse bewirkt Daseinserscheinungen, die für den Menschen nicht beglückend sind. ...“

Rudolf Steiner in den „Karmavorträgen“ GA 238, Seite 101

29.11.10

Zusammenschmiedung des Menschen mit den Maschinen

Es sind ungeheuer klare Worte, die Rudolf Steiner für einen Aspekt unserer zukünftigen Entwicklung hier ausspricht. Die Menschheit wird mit den Maschinen "zusammengeschmiedet" werden. Das klingt sensationell; aber nicht deswegen führe ich das hier an, sondern wegen der Haltung, die wir einnehmen sollen: Es kann nicht bekämpft werden!, sagt Rudolf Steiner.

Man kann auch in seinen Gefühlen ankämpfen gegen Weltentwicklungstatsachen. Das offenbart sich dann z.B. als Angst, Klage, Kritik.  Man wird also versuchen zu lernen, diese Tatsachen mit Gefühlsruhe und Gleichmut zu betrachten:

"Noch einmal will ich darauf hinweisen, dass der Menschheit bevorsteht in diesem fünften nachatlantischen Zeitraum, hineinzukommen in eine besondere Behandlung großer Lebensfragen, die in einer gewissen Weise verdunkelt gewesen sind durch die Weisheit der bisherigen Zeit. Ich habe schon auf sie hingewiesen. Die eine große Lebensfrage kann damit bezeichnet werden, dass man sagt: Es soll versucht werden, das Geistig-Ätherische in den Dienst des äußeren praktischen Lebens zu stellen. - Ich habe Sie aufmerksam darauf gemacht, dass der fünfte nachatlantische Zeitraum das Problem wird lösen müssen, wie menschliche Stimmungen, die Bewegung menschlicher Stimmungen sich in Wellenbewegung auf Maschinen übertragen lassen, wie der Mensch in Zusammenhang gebracht werden muss mit dem, was immer mechanischer und mechanischer werden muss. Ich habe deshalb heute vor acht Tagen hier darauf aufmerksam gemacht, in welcher äußerlichen Weise von einem gewissen Teil unserer Erdoberfläche diese Mechanisierung genommen wird. Ich habe Ihnen ein Beispiel vorgeführt, wie aus amerikanischer Denkweise heraus versucht wird, das Maschinelle über das Menschenleben selber auszudehnen...

An solchen Stellen ist der Wille dazu vorhanden, die Menschenkraft zusammenzuspannen mit Maschinenkraft. Diese Dinge dürfen nicht so behandelt werden, als ob man sie bekämpfen müsste. Das ist eine ganz falsche Anschauung. Diese Dinge werden nicht ausbleiben, sie werden kommen. Es handelt sich nur darum, ob sie im weltgeschichtlichen Verlaufe von solchen Menschen in Szene gesetzt werden, die mit den großen Zielen des Erdenwerdens in selbstloser Weise vertraut sind und zum Heil der Menschen diese Dinge formen, oder ob sie in Szene gesetzt werden von jenen Menschengruppen, die nur im egoistischen oder im gruppenegoistischen Sinne diese Dinge ausnützen. Darum handelt es sich. Nicht auf das Was kommt es in diesem Falle an, das Was kommt sicher; auf das Wie kommt es an, wie man die Dinge in Angriff nimmt. Denn das Was liegt einfach im Sinne der Erdenentwickelung. Die Zusammenschmiedung des Menschenwesens mit dem maschinellen Wesen, das wird für den Rest der Erdenentwickelung ein großes, bedeutsames Problem sein.

Ich habe vollbedacht öfter jetzt darauf aufmerksam gemacht, auch in öffentlichen Vorträgen, dass das Bewusstsein des Menschen zusammenhängt mit abbauenden Kräften. Zweimal habe ich es in öffentlichen Vorträgen in Basel gesagt: In unser Nervensystem hinein ersterben wir. - Diese Kräfte, diese ersterbenden Kräfte, sie werden immer mächtiger und mächtiger werden. Und es wird die Verbindung hergestellt werden zwischen den im Menschen ersterbenden Kräften, die verwandt sind mit elektrischen, magnetischen Kräften und den äußeren Maschinenkräften. Der Mensch wird gewissermaßen seine Intentionen, seine Gedanken hineinleiten können in die Maschinenkräfte. Noch unentdeckte Kräfte in der Menschennatur werden entdeckt werden, solche Kräfte, welche auf die äußeren elektrischen und magnetischen Kräfte wirken.
Das ist das eine Problem: das Zusammenführen des Menschen mit dem Mechanismus, das immer mehr und mehr um sich greifen muss in der Zukunft."

28.11.10

Klassenstunden 3 - Mantren

Die Mantren waren ursprünglich an die Mitgliedschaft in der Freien Hochschule und die Teilnahme an den Klassenstunden gebunden. Andere Menschen konnten sie nicht haben.

Doch heute sind sie auch in den Händen von Menschen, die nicht der Hochschule angehören.
Diese Sachlage wurde von Rudolf Steiner unmissverständlich, klar und deutlich charakterisiert (s.u.); auch wenn es Menschen geben mag, die Bücher schreiben könnten, warum diese Aussage Rudolf Steiners nicht gültig sei.

Es hat ja eine gewisse Tradition, dass man auch sehr deutliche Aussagen Rudolf Steiners nach den eigenen Intentionen umdeutet, weil sie unbequem sind und den eigenen Lebensgewohnheiten  oder -Überzeugungen widersprechen.

"Sie verlieren ihre Wirksamkeit, die Mantrams, wenn sie in unrechte Hände kommen. Und das ist eine so fest in die Weltenordnung eingetragene Regel, dass einmal ...eine ganze Reihe von Mantrams unwirksam geworden sind, die innerhalb der anthroposophischen Bewegung flossen."
(Rudolf Steiner GA 270c, S. 127)

27.11.10

Über Ernährung und Temperamente./3

Teil 1:http://orioniden.blogspot.com/2010/11/folgende-unveroffentlichte-vortrags.html
Teil 2:http://orioniden.blogspot.com/2010/11/uber-ernahrung-und-temperamente2.html

Teil3:
Während der Zeit des geistigen Strebens ist es ganz besonders wichtig, dass der Mensch recht mäßig lebt. Mäßigkeit läutert die Gefühle, erweckt die Fähigkeit, erheitert das Gemüt und stärkt das Gedächtnis. Die Seele wird durch dieselbe fast ihrer irdischen Last enthoben, genießt dadurch eine höhere Freiheit, ‑ so sagt
schon ein alter Weiser ‑. Würde der Mensch viel und oft essen, er könnte keine fruchtbringenden Gedanken erzeugen. Denn nimmt die Verdauung sehr viel Kraft in Anspruch, dann bleiben keine Kräfte übrig für die Denkfähigkeit. Gerade Menschen, welche die Welt mit den Produkten ihres Geistes erfüllten, haben bei sehr spärlicher Kost gelebt. Schiller, Shakespeare, viele unserer Dichter, denen wir herrliche Werke verdanken, haben sich durch schwere Entbeh rungen hindurchgearbeitet. Der Geist ist niemals so klar wie nach langem Fasten. Auch in der Geschichte religiöser Orden und in den Lebensbesehreibungen der Heiligen findet man zahlreiche Beispiele von den Wirkungen eines enthaltsamen Lebens. Die größten Heiligen lebten nur von Früchten, Brot und Wasser und kein wunderwirkender Heiliger wäre bekannt, der bei einem opulenten Mahl göttliche Kräfte in Wirksamkeit setzte. Auch all die großen Weisen des Altertums waren berühmt durch ihre Mäßigkeit.

Wenn nun der Mensch weiter geht in seinem geistigen Streben, wenn in das Ich immer mehr die Gesetze des Wahren und Guten fließen, wenn die Strahlen der großen Geistessonne immer mehr das Ich durchfluten und durchleuchten, dann beginnt die bewusste Bearbeitung des Lebens‑ oder Aetherleibes. Die urewige Wesenheit des Menschen, das was von Verkörperung zu Verkörperung geht, das lebt sich in jeder neuen Verkörperung so aus, dass es eine gewisse Wechselwirkung der 4 Glieder der menschlichen Natur hervorruft und aus dem, wie diese Glieder zusammenwirken, entsteht das Temperament des Menschen. Je nachdem sich das eine oder das andere dieser Glieder besonders hervortut, je nachdem tritt uns der Mensch mit diesem oder jenem Temperament entgegen. Ob die Kräfte des einen oder des anderen ein Übergewicht haben, davon hängt die eigentümliche Färbung der Menschennatur ab, das was wir die Färbung des Temperamentes nennen. Man unterscheidet vier Haupttemperamente, das CHOLERISCHE, SANGUINISCHE, PHLEGMATISCHE und MELANCHOLISCHE. Dieselben sind bei den einzelnen Menschen in der mannigfaltigsten Weise gemischt, so dass man nur davon sprechen kann, dass dieses oder jenes bei einem Menschen vorherrscht. Wenn nun der Mensch an sich arbeitet, darin bringt er Harmonie, Ordnung, Gleichmäßigkeit in diese Temperamente. Wohl werden bei der Bearbeitung der Temperamente geistige Übungen die Hauptsache sein, doch wird es auch hier nicht unwesentlich sein, wie der Mensch sich ernährt. Wenn bei einem Menschen das physische Prinzip vorherrscht, so wird dies oft eine Art Hindernis in der Entwicklung. Der Mensch muss aber Herr seines physischen Leibes sein, wenn er ihn gebrauchen will. Der Mensch ist nicht fähig sein Instrument vollständig zu gebrauchen, so dass die anderen Prinzipien eine Hemmung erfahren und Disharmonie entsteht zwischen dem physischen Leib und den anderen Gliedern.

Wenn nun der MELANCHOLIKER an sich arbeitet, dann soll er nur Nahrung genießen, die ganz nahe an der Sonne wächst, die weit weg von der Erde gedeiht, die an der vollen Sonnenkraft gereift ist und das wäre Obstnahrung. So wie durch geistige Übungen die geistige Sonne einen Menschen durchglüht und durchleuchtet, so sollte im Physischen durch die Sonnenkräfte, die in der Obstnahrung enthalten sind, das Verfestigende und Erstarrende im Melancholiker durchsetzt und durchwebt werden.

Beim PHLFGMATIKER, wo der Aetherleib vorherrschend ist, der einzelnen Funktionen im Gleichgewicht hält, wo das in sich gestützte Innenleben das innere Behagen erzeugt und der Mensch in diesem inneren Behagen vorzugsweise lebt, so dass er sich so recht wohl fühlt, wenn in seinem Organismus alles in Ordnung ist und gar nicht geneigt ist, sein inneres Interesse nach außen zu richten oder gar ein starkes Wollen zu entwickeln, solch ein Mensch sollte Nahrung zu sich nehmen, die nicht unter der Erde wächst. Ganz besonders nicht die Nahrungsmittel, deren Gedeihen oft zwei Jahre in Anspruch nimmt, bis sie an die Erdoberfläche kommen z.B. Schwarzwurzeln. Die sollte ein Phlegmatiker nicht genießen. Das Samenkorn dieser Pflanze braucht so lange bis es sich der äußeren Kräften erschließt und auch beim Phlegmatiker muss manches durchgearbeitet sein bis er tätigen Anteil nimmt an der Außenwelt. Das Prinzip dieser Pflanzen würde nur deine innere Behaglichkeit noch vermehren.

Beim SANGUINIKER, wo das Vorherrschende des Astralleibes da ist, wo der Mensch ein Interesse hat für einen Gegenstand, ihn aber bald wieder fallen lässt, wo das Schnellentflammtsein und das rasche Übergehen zu einem anderen Gegenstand sich zeigt, so sollten sogar Wurzelgemüse gewählt werden. Man könnte beinahe sagen, ein Sanguiniker muss sogar durch die Nahrung an das Physische gefesselt werden, sonst könnte ihn seine Leichtbeweglichkeit zu weit führen. Also hier sind die Gemüse, die unter der Erde gedeihen, sogar sehr anzuraten.

Wenn das Ich das Vorherrschende ist, wenn das Ich mit seinen Kräften besonders wirkt, und die anderen Glieder der menschlichen Natur beherrscht, dann entsteht das CHOLERISCHE Temperament. Der Choleriker muss sich vor allen Dingen vor erhitzenden und erregenden Speisen hüten, alles Reizende, stark gewürzte Speisen sind für ihn von größtem Schaden.

Man sollte wohl annehmen, dass bei einer Höherentwicklung das Temperament keine große Rolle mehr spielt und dass auch die Ernährung keinen Einfluss mehr hat. Auf der Meisterschaftsstufe ist das wohl der Fall, denn der Meister bedarf keiner festen Nahrung; ebenso wird ihn auch das Temperament nicht mehr beeinflussen oder beherrschen. Aber er wird die Temperamente benutzen zur Wirksamkeit in der physischen Welt. Das cholerische Temperament nimmt er zur Ausübung seiner magischen Handlungen, die Ereignisse und Begebenheiten der physischen Welt lässt er vorüberziehen wie ein Sanguiniker; im Lebensgenusse wird er sich ver halten wie ein Phlegmatiker, und über seinen geistigen Erkenntnissen wird er brüten wie ein Melancholiker. Bis wir aber dahin gelangen, hat es noch eine kleine Weile Zeit !

Wir sollten versuchen, unser ganzes Leben in Einklang zu bringen mit unserem geistigen Streben. Nicht nur eine kleine Zeit des Tages unseren Idealen gemäss leben, sondern unsere Beschäftigungen danach einteilen, unsere Genüsse in dem Sinne wählen und selbst unsere Ernährung so regeln und dahin wirken, ein harmonischer, in sich feststehender Mensch zu werden, um sich dann im Leben nach besten Kräften betätigen zu können.

Das Leben schenkt uns nichts, es muss alles errungen werden. Hierher gehört das schöne Goeth’sche Wort:

„Ein ernstes Wollen, ein beharrlich Streben
Führt einzig dich ans Ziel. Das Glück,
Kein bloßer Zufall ist es, und das Leben
Gibt nur, was du ihm gabst, zurück.“

(Ende)

25.11.10

Klassenstunden 2

Nach meinem "Post" vom 12.11. über die Klassenstunden, http://orioniden.blogspot.com/2010/11/klassenstunden.html,
möchte ich angeregt durch aktuellen Meinungsaustausch jetzt sogar noch eine deutlichere Formulierung wagen:

Wer sich als ernsthaftes Hochschulmitglied betrachtet, der müsste heutzutage die Originaltexte der Klassenstunden auch selber studieren, um auf dem persönlichen Schulungsweg weiterzukommen.


Es war ja einst den einfachen Gläubigen verboten, die Bibel zu lesen. Die Veröffentlichung und Verbreitung, die  durch den Buchdruck möglich wurde, veränderte diese Situation.

24.11.10

Über Ernährung und Temperamente./2

Teil 1:http://orioniden.blogspot.com/2010/11/folgende-unveroffentlichte-vortrags.html

Teil 2:
Jeder Genuss von Fleisch und Fisch ist nicht ratsam. Im Fleisch genießt der Mensch die ganze Tierleidenschaft mit und im Fisch genießt er das ganze Weltenkarma.

Pilze 

Pilze sind ungemein schädlich. Sie enthalten hemmende Mondenkraft und alles was auf dem Mond entstanden ist, bedeutet Erstarrung.

Hülsenfrüchte 

Ebenso sind Hülsenfrüchte nicht sehr ratsam wegen zu großen Stickstoffgehaltes. Stickstoff verunreinigt den Ätherkörper.
_________________________________________________
Wir wollen einmal einige der gröbsten, niedern Eigenschaften herausgreifen und in Zusammenhang bringen mit den verschiedenen Nährstoffen.

Zucker 

Wenn ein Mensch große Selbstständigkeit besitzt und sehr zum Egoismus neigt, der sollte wenig konzentrierten Zucker genießen, denn Zucker fördert die Selbstständigkeit.
Ist dagegen jemand ohne inneren und äußeren Halt und glaubt immer der Stütze bedürfen zu müssen, der sollte reichlich Zucker genießen, um selbstständiger zu werden.

Gewürze, Salz und Pfeffer 

Wird jemand sehr vom Zorn beherrscht, der sollte nicht viel Gewürze in den Speisen genießen, ganz besonders Salz und Pfeffer meiden.

Gemüse und Obst 

Wenn jemand sehr zur Bequemlichkeit und Trägheit veranlagt ist, der meide besonders stickstoffhaltige Nahrung, er wähle vielmehr Gemüse und Obst als Nahrung.

Eiweiß 

Will sich jemand an das schwierige Problem wagen, an die Beherrschung der Geschlechtsleidenschaft, derjenigen Leidenschaft, die in niederer Art ausgeübt, den Menschen unter das Tier herabwürdigt, umgewandelt ihn aber seiner Göttlichkeit am nächsten bringt, der sollte so wenig wie möglich eiweißreiche Nahrung genießen. Bei zu reichlichem Genuss von Eiweißstoffen wird das Überhandnehmen der Fortpflanzungsstoffe hervorgerufen und dadurch wird die Beherrschung der Geschlechtsleidenschaft sehr erschwert.

Gurken und ähnliches 

Neigt jemand sehr zu Neid, Missgunst und Hinterlist, für den sind Gurken und all die Rankengewächse nicht zuträglich.

Melonen 

Auch beim Früchtegenuss muss man etwas vorsichtig sein. Menschen, die sehr zur Gefühlsschwärmerei neigen, sollten keine Melonen genießen. Der süße, berauschende Duft dieser Frucht verdunkelt jedes klare Verstandesbewusstsein.

Äpfel 

Auch sehr reichlicher Apfelgenuss ist nicht für jeden vorteilhaft. Bei gewissen Menschen steigert er die Herrschsucht und führt oft zu Roheit und Brutalität.

Kirschen und Erdbeeren 

Sie sind ihres hohen Eisengehaltes wegen nicht jedem bekömmlich.

Zuträglicher sind schon Bananen, Datteln und Feigen.

Nüsse 

Auch bei den Nüssen kann man eine bestimmte Auswahl treffen. Will sich jemand einer denkerischen Schulung unterziehen, dann braucht er vor allem einen gut gebauten, gesunden Hirnapparat. Selten liefern die Eltern in der heutigen Zeit ihren Kindern ein solch gut gebautes Gehirn. Und da ist es vor allen Dingen die Haselnuss, die die Substanz liefert zum Aufbau des Gehirns.
Alle andern Nussarten sind weniger wertvoll, Erdnüsse sind überhaupt zu meiden.

Fette 

Was nun die Fette anbelangt, so sollen wir der aus der Milch bereiteten Butter den Vorzug geben, auch Haselnussbutter wäre noch anzuraten.

Nun kämen wir zu den Genussmitteln: Tee und Kaffee 

Kaffeegenuss unterstützt das logische Denken; aber vom Kaffeegenuss allein werden wir noch keine logisch denkenden Menschen, denn da gehört noch mehr dazu. Und bei Menschen, wo das denkerische Prinzip nicht vorherrscht, ...da führt der reichliche Kaffeegenuss zu Hysterie.

Teegenuss erzeugt gute Einfälle. Man kann aber seine guten Einfälle durch besondere Übungen erhalten.

(Fortsetzung folgt) 
(Teil 3: http://orioniden.blogspot.com/2010/11/uber-ernahrung-und-temperamente3.html)

23.11.10

Das Auto

Das Ahrimanische ist heute eine Weltentatsache. Eine Tatsache abzulehnen, kann man nicht als vernünftige Haltung ansehen.
Man wird sein Augenmerk mehr auf den sinnvollen oder richtigen Umgang mit dieser Weltentatsache richten müssen.

Man kann sich das Ahrimanische je nach Zusammenhang in vielfältiger Weise denken. Es hat u.a.etwas mit der physisch-materiellen Welt zu tun. Man kann z.B. die Maschine, das Auto als dieser Sphäre angehörig ansehen.

Dient das Auto dem Menschen, dann ist das Ahrimanische an eine richtige Stelle gerückt. Man kann das sinnvolle Dienen als die eigentliche Aufgabe des Ahrimanischen betrachten.

Dient aber der Mensch dem Auto, hat die Maschine also einen Aspekt, der über das Dienen hinausgeht, dann bekommt sie eine Macht, die ihr eigentlich nicht zusteht und die das Menschsein gefährdet.

Führt man den ersten Aspekt weiter: Das Auto fährt z.B. den Menschen z.B. zu einer geisteswissenschaftlich-spirituellen Arbeit, dann entstehen sogar Kräfte, die dazu führen, dass das Ahrimanische überwunden oder erlöst werden kann.

Es wird Lebensbereiche geben, wo man das Ahrimanische auch heute noch vermeiden kann.
Und andere, wie z.B. das Verkehrswesen, wo dies nicht mehr möglich ist.

Eine gänzliche Ablehnung oder Vermeidung des Ahrimanischen auf allen Lebensgebieten führt auf Dauer nicht zu Handlungen oder Kräften, die sich sinnvoll in den Weltenprozess hineinstellen.

(Diese Ausführungen sind natürlich aphoristisch; sie berühren nur einige Aspekte einer sehr komplexen Angelegenheit.)

22.11.10

Über Ernährung und Temperamente./1

Folgende unveröffentlichte Vortrags-Mitschrift oder -Nachschrift fand ich im "Uranos Archiv" (http://www.uranosarchiv.de/uranosarchiv/Vortraege/Unveroeffentlichte%20Vortraege/040000_7pp-L1180724_.pdf)
Steiner hat später nicht mehr so deutlich und detailliert über diese Dinge gesprochen, um die Freiheit der Menschen möglichst wenig zu tangieren. Auch geht hier weniger hervor, warum bestimmte Wirkungen auftreten.
Wer aber sicher in seinem Leben und auf seinem Schulungsweg steht, für den können, ohne dass er mit anderen unvorsichtig darüber spricht und ohne dass er dogmatisch wird, durchaus diese Hinweise nützlich und sinnvoll sein:
_____________________________________________________________
Vortrag von Rudolf Steiner 1904 (?), Berlin

Über Ernährung und Temperamente.

Vegetarisches Leben ohne geistiges Streben führt zur Krankheit


Man sagt, dass der Vegetarismus in Griechenland, Jahrhunderte vor Christus bekannt gewesen sei und dass der große Weise des Altertums, Pythagoras, der Stifter des Vegetarismus sei. Da muss man sich doch fragen, wer war denn Pythagoras und warum lebte er vegetarisch? Und damit kommen wir in das Gebiet der Geheimschulen, der Mysterien.

Zu allen Zeiten und zerstreut über alle Weltteile hat es von jeher Geheimschulen gegeben, deren Mitglieder sich befleißigten durch strenge Selbstzucht, durch fleißiges Studium, durch Meditation in das verborgene Sein der Welt zu gelangen, hinter den Schleier des Vergänglichen zu schauen. In Griechenland war es besonders Pythagoras, einer der großen Eingeweihten, der in diesem Sinne wirkte. Er hatte Schüler um sich versammelt, die er durch vorangegangene, strenge Proben in die Mysterien einführte. Zugleich aber wurden auch strenge Diätvorschriften erlassen. Berauschende Getränke waren ganz - ebenso war der Genuss von Fleisch und Bohnengemüse streng untersagt. Auch in späteren Zeiten sind in allen Geheimschulen Vorschriften für die Lebensweise der Schüler gegeben. Denn der Schüler soll lernen, die Nahrung nach den Grundsätzen der geistigen Erkenntnis zu wählen. Er muss wissen, dass in dem, was er als Nahrung zu sich nimmt, die Kraft gewisser Wesenheiten liegt. Und wenn der Mensch zum Herrscher seines Organismus werden will, so muss er seine Nahrung bewusst wählen. Wenn man begreift, w e l c h e Wesenheiten durch diese oder jene Nahrung angezogen werden, dann erkennt man auch, welche Bedeutung die Ernährung hat.

In den früheren Zeiten, da kannte man auch in den großen Religionsgemeinschaften, z.B. der jüdischen und der katholischen Religion die Wirkung der Nahrungsmittel. Ein Zuwiderhandeln gegen die Vorschriften wurde, mit dem Ausschluss aus der Gemeinde bestraft.
Auch im Brahmanismus war die Zeit von Weihnachten bis Ostern dem Vishna geweiht. Diejenigen welche sich seine Diener nannten, feierten diese Zeit durch Enthaltsamkeit, z.B. von allen Hülsenfrüchten, des Öles, Salzes, Fleisches und berauschenden Getränken. Man hatte in jener Zeit noch das lebendige Gefühl des Zusammenhanges des Mikrokosmos mit dem Makrokosmos und man forderte von jedem erwachsenen Gliede der Gemeinschaft, dass es zu ganz bestimmten Zeiten sich aufnahmefähiger mache für gewisse, geistige Kräfte, damit er mit der ganzen Natur eine Wiedergeburt und ein Auferstehen feiere. Es waren dies die Zeiten vor Weihnachten und Ostern.

Nun wollen wir einmal betrachten, was die Ernährung eigentlich ist. Fast keinem Gebiet bringt man so großes Interesse entgegen wie der Ernährung; denn die Anforderungen, die die heutige Zeit an die Leistungsfähigkeit des Einzelnen stellt, bedingt es, sich gut und kräftig zu ernähren. Durch die Nahrungsstoffe, führen wir dem Körper aufbauende und erhaltende Kräfte zu. Nach wissenschaftlichem Standpunkt ist die Nahrung eine Energiezufuhr. Die Geheimwissenschaft sagt aber; in der ganzen Natur manifestiert sich die Dreiheit. Jedes Ding besteht aus Form, Leben und Bewusstsein. Alles in der Natur ist belebt und durchgeistigt. Wir entnehmen nun unsere Nahrung aus dem Tier‑ und dem Pflanzenreich. Das Tier hat seinen physischen, ätherischen und astralischen Leib auf der physischen Welt, das Gruppen‑Ich der Tiere ist auf dem Astralplan. Wenn das Tier tot ist, dann ist die Wirkung der tierischen Natur noch nicht aufgehoben denn das Prinzip wirkt nach dem Tode noch weiter. Ebenso ist es bei der Pflanze. Die Pflanze hat ihren physischen, ätherischen Leib auf der physischen Welt, ihren Astralleib in der astralischen Welt, das Ich der Pflanze ist im Dewachan. Das Prinzip, das in der Pflanze wirkt, wird auch nach der Zubereitung der Pflanze wirksam sein, denn die Nahrungswirkung erstreckt sich aber nicht nur auf der Physischen‑ und Lebensleib, sondern auch auf die andern Wesensteile des Menschen. Und nun wollen wir einmal im Zusammenhang mit unserem geistigen Streben über Ernährung sprechen. Wohl werden Meditations - und Konzentrationsübungen die Hauptsache sein, doch wird es nicht so unwesentlich sein, wie der Strebende sich ernährt, wenn die Bearbeitung des Astralleibes beginnt.

Alkohol:

Vor allen Dingen ist wichtig, Alkohol in jeder Form zu meiden, sogar die mit Alkohol gefüllten Süßigkeiten sind von sehr schädlicher Wirkung. Alkohol und geistige Übungen führen auf die schlimmsten Pfade. Vom wissenschaftlichen Standpunkte ist ja schon der schlimme Einfluss des Alkohols auf die Gehirnfunktion nachgewiesen, wieviel mehr sollte ein Mensch, der sein ganzes Streben auf das Geistige richtet, sich eines Genusses enthalten, der das Erkennen des Geistigen vollständig ausschließt.

Fleisch und Fisch …(Fortsetzung folgt)

21.11.10

Ja, irgendwann einmal...

Auf diesen Post der Webseite "Die Egoisten" möchte ich hinweisen:

"Befreundet mit der Wirklichkeit"
Es ist eine zu simple Vorstellung, zu denken, *irgendwann* sei es Zeit, das individuelle spirituelle Üben *anwenden* zu wollen- es also in der *Wirklichkeit* zu erproben. Denn wir sind ja nicht nur innig verwoben mit dem, was uns umgibt, sondern ein untrennbarer Teil, ja zum Teil ein Produkt eben dieser *Umgebung*. Immer und überall stossen wir an Partnerschaften, Freundschaften, berufliche Felder, Pflichten und Vergnügungen an. Dies allerdings meist nicht nur und nicht durchgängig in harmonischer Art und Weise. Auch im Widerstand, im inszenierten Konflikt konstituieren wir uns an dieser Umgebung. Das Selbstgefühl intensiviert sich in schmerzhaften Prozessen, in die wir verwickelt sind. Meist fühlen wir uns dabei als Opfer, als Jemand, dem etwas zugemutet wird. Die Attitüde der Empörung - „Was hat man mir angetan!“- ist ein starkes Ich- Gefühl, viel stärker als harmonisches Einvernehmen. ...


Weiter hier: http://www.egoisten.de/files/befreundet.html#unique-entry-id-1311

18.11.10

Neue Hellsichtigkeit

In den letzten Jahren erleben wir im anthroposophischen Bereich immer mehr Mitteilungen, die hellsichtigen Fähigkeiten entstammen.
Solche Fähigkeiten gab es schon immer, nur gab es in anthroposophischen Kreisen eine gewisse Zurückhaltung dem gegenüber. Dafür fand man die entsprechende Literatur in anderen esoterischen Kreisen.

Die Zurückhaltung der Anthroposophen lag an den warnenden und kritischen Äußerungen Steiners zur Qualität solcher Schauungen.
Heute geht es darum, diese Art von Mitteilungen selber beurteilen zu lernen.
Zunächst kann man sagen, dass man ganz nüchtern Wahrnehmungen in der Sinneswelt und andere Wahrnehmungen nebeneinander stellen kann. Der eine erzählt von seinen Sinnesbeobachtungen, der andere von seinen Schauungen.

Nun geht es darum, wie geht man mit den Wahrnehmungen um? Wie werden sie verarbeitet? Welche Gedankenkraft richtet sich auf diese Wahrnehmungen? Wie werden diese Wahrnehmungen  mit der Welt verbunden? Wie verändert sich der schauende Mensch durch seine Wahrnehmungen und die gedanklichen Schlussfolgerungen aus den Wahrnehmungen?

Da hat einer vielleicht den Beruf "Architekt". Nun hat er außerdem übersinnliche Wahrnehmungen. Also wird man auf seine Arbeit blicken und sehen, wie unterscheiden sich seine Bauwerke von denen der anderen, nicht schauenden Menschen. So wird die Schauung im Irdischen fruchtbar.

Oder einer schaut seine letzten Inkarnationen. Nun wird man darauf sehen, wie verändert sich dieser Mensch dadurch, dass er das weiß. Steigert sich dadurch seine Menschlichkeit oder eher seine Überheblichkeit?

Es ist völlig unwichtig, dass einer über solche Dinge anderen berichtet. Es ist wichtig, wie das ins praktische Leben einfließt.

Man wird die Menschen immer nach der Gesamtheit ihres Lebens, ihrer Fähigkeiten in der Arbeit, ihrer Art des menschlichen Umgangs usw. beurteilen, nie nach ihren verbalen Äußerungen.

Bleibt es bei den Mitteilungen von Schauungen und kreist alles im Leben solcher Menschen um das Wichtignehmen dieses Bereiches. Dann bleibt diese Sphäre außerhalb des Irdischen.
Erst wenn es sich im ganzen Leben ausdrückt, wenn es beim Architekten eine neue Architektur hervorbringt, beim Musiker eine neue Musik, beim Lehrer eine bessere Pädagogik, beim Arzt ein neues Medikament oder wirkliche Heilungen, dann haben sich die übersinnlichen Fähigkeiten mit dieser Welt verbunden.

Das will Michael. Das entspricht dem michaelischen Zeitalter.

Aus der Bibel: 
Seht euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe.{Matthäus.24,4}{Matthäus.24,24}{2 Korinther.11,13}
An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man auch Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den Disteln? {Galater.5,19}{Jakobus.3,12}
Also ein jeglicher guter Baum bringt gute Früchte; aber ein fauler Baum bringt arge Früchte. {Matthäus.12,33}
Ein guter Baum kann nicht arge Früchte bringen, und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. 19Ein jeglicher Baum, der nicht gute Früchte bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.{Matthäus.3,10}{Johannes.15,2}{Johannes.15,6}

17.11.10

Anthroposophische Vorträge II

Wenn ich Vortragende in der gestern beschriebenen Weise reden höre, dann kommt mir immer das Bild der "Schlagsahne".
Steiners Werke zeichnen sich ja dadurch aus, dass sie hohe Anforderungen an den Leser stellen. Das wird ja auch ständig kritisiert. Dabei ist es eine völlig bekömmliche Kost, wenn man sein Denken wirklich beim Lesen aktivieren will. Der härteste Brocken wird verdaulich.

Nun kann man ja einen etwas trockenen Kuchen durchaus mit Schlagsahne etwas schmackhafter machen. Dagegen wird man wohl kaum etwas einwenden.

Aber es fällt mir bei dem angesprochenen Typ von Vorträgen auf, dass die Redner sich aus dem Werk Steiners gewissermaßen gerne die Schlagsahne picken. Was Steiner über Jahre bei seinen Zuhörern vorbereitete, bevor er bestimmte Dinge aussprach, das sahnen nun diese Vortragenden ab und verwenden es frisch und frei in ihren eigenen Darstellungen. An das Denken der Zuschauer wird nicht appelliert, sondern an ihren Applaus, der dann gewöhnlich auch lautstark ertönt. Man will noch mehr; am liebsten hätten die Zuhörer dann noch eine Zugabe.

An solchen üppigen "Schlagsahne-Vorträgen" verderben sich die Leute den eigenen Geist; leider ohne dass sie es merken. Hat man ein wenig Sensibilität dafür entwickelt, dann reichen schon 15 Minuten eines solchen Vortrages, weil man dann soviel Gewaltiges gehört hat, worüber man Wochen nachdenken könnte. Aber die nächsten 15 Minuten überdecken dann die ersten Aussagen; und so geht es munter weiter.

16.11.10

Anthroposophische Vorträge I

Ein bestimmter Typ von anthroposophischen Reden zeichnet sich dadurch aus, dass man aus dem Werk Rudolf Steiners besonders sensationelle, mysteriöse, geheimnisvolle oder erhabene Themen auswählt.

Man spricht dann gern von Hierarchien, nennt häufig die Namen der Widersachermächte,  erwähnt  Geheimgesellschaften, Jesus Christus, den Gral, Kaspar Hauser usw. Man verbindet dann manchmal sogar das heutige Leben mit diesen großen Themen.

Man vermengt das gelegentlich auch gern mit den ganz großen „Weltkatastrophen“, wie Kriege und Umweltzerstörung usw.

Die Seelen der Zuhörer können gar nicht anders, als dass sie durch diese Begriffe wie gebannt oder, man muss wahrheitsgemäßer sagen, wie geistig-hypnotisiert werden. Redner die solche Begriffe häufiger verwenden, haben auch schnell eine deutliche kleinere oder größere Anhängerschaft; sonderbarerweise oft auch eine gewisse Gegnerschaft. Obwohl die Gegner oft gar nicht den entscheidenden Punkt erkennen, warum ihre Seelen diesen Rednern nur Widerstand leisten können. Da man meist rein sachlich dem Inhalt nur zustimmen kann. Man wird kaum eine Unrichtigkeit im Vortrag feststellen können.

Nein, die Unwahrheit liegt auf einem anderen Gebiet: Richtigkeit oder Unrichtigkeit entzieht sich dem Urteilsvermögen der Zuhörer. Und der Zuhörer mit einem gesunden Menschenverstand spürt das: Er spürt, dass der Vortragende selber die erste Hierarchie noch gar nicht erforscht hat, noch keine Begegnung mit ihr gehabt hat, dennoch spricht er über sie, als würde er sie kennen oder erkannt haben.

Dabei hat Steiner immer den allergrößten Wert darauf gelegt, dass der Mensch sein Urteilsvermögen anwenden können muss. Die Rede muss so gestaltet sein, dass der Zuhörer nichts glauben darf, sondern sein Erkenntnisvermögen soll durch den Vortrag angeregt werden.